Wieder einmal hieß es für unseren WeberTreff umzuziehen in neue Räumlichkeiten, da das Haus der Begegnung in Mettmann leider nicht mehr zur Verfügung steht. Gefunden haben wir sie im Caritas-Altenstift Vinzenz von Paul-Haus, welches sozusagen um die Ecke zum alten Treffpunkt liegt. Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Örtlichkeit. Neben dem WeberTreff haben auch der Reparatur-Treff "nicht intakt" und die Kleidertauschbörse dort ein neues Zuhause gefunden.
1. Wir gehen von einer reinen Leinwandbindung aus, Farbwechsel streng Dunkel (Schaft1)-Hell (Schaft2)
Effekt: waagerechte Streifen, wenn Dunkel gehoben wird auch Dunkel eingetragen und wenn Hell gehoben wird, wird auch Hell eingetragen:
2. Durch einen Wechsel in der Trittfolge erreichen wir den umgekehrten Effekt: wenn Hell gehoben wird, wird Dunkel eingetragen, und wenn Dunkel gehoben wird, wird Hell eingetragen. Es entstehen in diesem Bereich senkrechte Streifen. Wir haben also zwei Trittpartien:
3. Was wir in der Trittfolge gemacht haben können wir auch auf den Einzug übertragen. Wir haben zwei Einzugspartien:
Partie 1: Dunkel auf Schaft 1 und Hell auf Schaft2 Partie 2: Dunkel auf Schaft 2 und Hell auf Schaft1
4. Bindungstechnisch ändert sich hier noch nichts . Wir haben jedoch zwei weitere Schäfte eingesetzt, und damit schon einmal 4 Einzugspartien:
5. Und noch immer hat sich bindungstechnisch nichts geändert. Aber wir haben nun auch schon vier Trittpartien:
6. Und jetzt kommt der Trick! Wir ändern über die Anbindung die Ansteuerung der Schäfte 1 und 2 bei den Tritten 3 und 4. Das bewirkt in den Bereichen wo Trittpartie 2 und Trittpartie 4 auf Einzugspartie 1 und Einzugspartie 3 treffen eine Umkehrung der Effekte:
Anstatt die Anbindung der Schäfte 1 und 2 bei den Tritten 3 und 4 zu ändern (linkes Bild), könnten wir auf den Tritten 3 und 4 auch die Anbindung der Schäfte 3 und 4 ändern (mittleres Bild). Auf dem linken Bild können wir rechts und links der "Treppe" jeweils eine helle und eine dunkle Begrenzunngslinie sehen. Beim mittleren Bild hat sich zum einen der Grat geändert, zum anderen sind diese Begrenzungslinien verloren gegangen. Im Englischen spricht man hier von feathering. Ändert man die Schussfarbenfolge erhält man wieder die klaren Begrenzungslinien:
Übersetzung einer Bildpatrone im Powell-System
Bei der Verwendung einer Bildpatrone werden zunächst Einzug und Trittfolge mit dem Powell-System übersetzt. Dabei muss definiert werden, welcher Anzahl von Kett-/Schussfäden ein Kästchen jeweils entspricht. Hier ein Beispiel mit 4 Schäften, spitz angeordnet. Jedes Kästchen im Einzug steht für 6 Kettfäden, im Schuss für 6 Schussfäden. Für die Übertragung der Anbindung der Bildpatrone ist der Bereich im roten Kasten ausschlaggebend. Hier gibt es zwei Möglichkeiten der Umsetzung:
Wir sehen an den linken oberen Seiten der „Motive“ geschlossene helle Linien, an den rechten unteren Seiten geschlossene dunkle Linien und an den jeweils anderen beiden Seiten offenes „Gefieder“. Beide Umsetzungen haben plastische Wirkung. Die Bereiche, die in der oberen Umsetzung zurücktreten, treten in der unteren Umsetzung hervor und umgekehrt. Für mich treten die Bereiche mit der waagerechten Streifenbildung jeweils hervor. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern einfach nur ein anders!
Für eine absolut symmetrische Variante müssen wir in der jeweiligen „Spitze“ entweder einen zusätzlichen Kett-/Schussfaden hinzufügen, oder einen weglassen. Die Spitzen sind also immer ungeradzahlig. Im Mittelpunkt geht es dann spiegelbildlich weiter. In der mittleren Patrone sind die "Begrenzungslinien" komplett verschwunden; die plastische Wirkung wird geringer. Kehrt man die Schussfarbenfolge um, erscheinen nun "durchgehende Begrenzungslinien". Die plastische Wirkung geht damit vollkommen verloren. Auch hier, nichts ist wirklich falsch, sondern immer nur anders:
Hier die Umsetzung nach Powell für 8 Schäfte. Links sozusagen die Vorbereitung in reiner Leinwandbindung und rechts die geänderte Anbindung für das Shadow Weave:
Das System von Marion Powell ist das jüngere von den beiden Systemen (1976), mit denen Shadow-Weave-Gewebe konstruiert werden können. Bereits in der 40er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte Mary Atwater vom Ripsgewebe kommend das Shadow Weave. (Rips ist eine Ableitung der Leinwandbindung.) Bindungstechnisch gesehen gibt es keinen Unterschied zwischen den beiden Systemen.
Als Ausgangspunkt nehmen wir die Version von Marion Powell. Wir tauschen zunächst die Schäfte 2 und 3 (mittleres Bild), und anschließend die Tritte 2 und 3 (rechtes Bild). Das war’s schon! Natürlich ist das Ganze eigentlich anders herum passiert: Powell hat Atwaters Schäfte und Tritte vertauscht.
Während bei Marion Powell die Schäfte/Tritte einer Partie immer direkt nebeneinander liegen, setzt Mary Atwater diese möglichst weit auseinander; ihr Ausgangspunkt war das Ripsgewebe mit einer hohen Kettdichte.
Sie beginnt also für Partie 1:
Dunkel auf 1,
Hell auf 1 + (Anzahl der Schäfte : 2)
und entwickelt dann fortlaufend weiter:
Dunkel auf 2,
Hell auf 2 + (Anzahl der Schäfte : 2)
...
Vergleichen wir in beiden Systemen die Entwicklung der Paarbildung je Partie. Bei beiden Methoden sind zwei Paare immer „spiegelbildlich“ zu einander. Powell nutzt nacheinander immer 2 aufeinanderfolgende Schäfte und kehrt die Paare dann um. Atwater belegt fortlaufend die zur Verfügung stehenden Schäfte mit Dunkel und ergänzt dann entsprechend fortlaufend zum Paar:
Die Anzahl der Schäfte immer der Anzahl der Einzugspartien. Das Powell-System vermittelt allein optisch schon einen stärkeren Blockcharakter, während das Atwater-System eher etwas Fließendes hat. So kann man in der Literatur immer wieder lesen, dass das Powell-System bevorzugt genutzt wird um Bildpatronen umzusetzen. Mit Hilfe des Atwater-Systems werden mehr Köperstrukturen in Shadow Weave ausgedrückt.
Im Folgenden sehen wir uns drei mögliche Umsetzungen einer Bildpatrone mit dem Atwater-System an. Oben links die Bildpatrone
Links unten eine symmetrische Umsetzung 1:1 (jedes Kästchen im Einzug der Bildpatrone entspricht einem dunklen Kettfaden und entsprechendes gilt für die Trittfolge, die hellen Fäden werden ergänzt)
Rechts oben eine Umsetzung 1:2 (jedes Kästchen im Einzug der Bildpatrone entspricht zwei dunklen Kettfäden und entsprechendes gilt für die Trittfolge, die hellen Fäden werden ergänzt)
Rechts unten eine symmetrische Umsetzung 1:2 (an den "Wendepunkten" wurde ein zusätzlicher Kett-, bzw. Schussfaden hinzugefügt und im Anschluss spiegelbildlich gearbeitet)
Nun noch ein Beispiel für eine Umsetzung einer "gebrochenen" Bildpatrone:


















































