Montag, 2. August 2021

Was war los auf unseren Webstühlen und Fingerloop - 01. August 2021

Kaum zu glauben, dass der letzte Treff ein Jahr her gewesen ist. So gab es auch viel zu erzählen und einiges zu zeigen. Aber erst einmal durften wir uns mit neuen Räumlichkeiten vertraut machen. Nachdem der Gemeinschaftsraum im Mettmanner Hofhaus nicht mehr zur Verfügung steht, haben wir im Caritas Netzwerktreff (ebenfalls in Mettmann) ein neues Zuhause gefunden und uns dort sehr wohl gefühlt.

Im großen Tischkreis haben wir unsere Gewebe ausgebreitet und im gemeinsamen Rundgang angeschaut, was mitgebracht worden ist. Und so unterschiedlich wie wir alle sind, sind auch die Projekte:


 
Zwei kleine Bildgewebe auf einfachen Papp-Webrahmen brachten etwas sommerliches Flair mit ihren leuchtenden Farben. Die Papprahmen müssen etwas auf Spannung stehen, das erleichtert das Weben und "Anschlagen".
 
Mit der Strickmühle aus Garn- und Trummresten hergestellte Kordeln wurden zu Topflappen/Topuntersetzern verarbeitet. Mit einem entsprechendenn Futter versehen wurden diese sogar weiter zu Teekannen-Wärmern verarbeitet.
 
 

 
Dann gab es natürlich auch das ein oder andere Handtuch und auch ein Schal hat sich in dieses Bild eingeschlichen. Die Bindung des Schals könnte man als "turned Saldräll" bezeichnen. Turned bedeutet, dass die Patrone nach links gedreht und nach rechts gespiegelt wird. Siehe auch unser Beitrag über Dräll: klick! Wer sich für die "Kreise" interessiert, wird z.B. hier fündig: on circles!



Als nächstes eine eingelesene Fleißarbeit, ein feiner Seidenstoff mit bunten Farbtupfern, ein Shadow-Weave, Badehandtücher mit Chenille im Schuss und wieder eine Resteverwertung in Form von Spültüchern.

Rechts die Patrone zum Seidenstoff mit Farbtupfern.







Und hier noch einige Wollgewebe von rechts nach links: ein Schal in einer Flechtköpervariation in feinem Merinogarn, ein Schultertuch in einer Alpaka-Wollsmischung mit Gerstenkorn-Fenstern, ein Kissenstoff in K1/3 und K3/1 aus selbstgesponnenem Coburger Fuchsschaf (diese werden noch in Einzelstücken pflanzengefärbt) und Schultertücher aus feiner Merinowolle (bereits mit Pflanzenfarben stückgefärbt - Krapp, Kiefernbraunporling und Reseda).

Rechts die Patrone für die Flechtköper-Variation.




 
Zum Schluss gab es noch die Möglichkeit "fingerloop braiding" - Fingerschlaufen-Flechten kennenzulernen. Wir haben eine Variante mit 5 Schlaufen ausprobiert. Hier einige Links zum Thema, leider wie so oft nahezu alles auf Englisch. Bei der Recherche im Netz hat sich mal wieder eine neue Welt aufgetan, so vielfältig sind hier die Möglichkeiten und Herangehensweisen. Mal sind die "Arbeitsfinger" die Zeigefinger, mal die Ringfinger.  Bei uns waren es die Zeigefinger.

loopbraider.com
sehr umfangreich

Video von Morgan Donner
so haben wir es gemacht

fingerloop.org/
ebenfalls sehr umfangreich

www.museumaargau.ch
Mit 6 Schlaufen, auf Deutsch

Fingerhäkeln
kein Fingerloop aber auch kleine Bändchen, einfach und auf Deutsch

So, das war's erst einmal. Mal schauen, ob es im September weiter gehen kann mit dem Treff!

Sonntag, 11. Oktober 2020

Nachbehandlung von Handgewebtem - 27. September 2020

Keine Bilder vom Treffen, wie konnte das passieren?! Tja, wenn niemand daran denkt Fotos zu machen...😉

Als HandwebeInnen treffen wir mit der Auswahl der verwendeten Garne schon eine grundsätzliche Entscheidung über die Qualität und die Eigenschaften unserer gewünschten fertigen Webware. Wollen wir Trockentücher weben werden wir keine mercerisierte Baumwolle verwenden, da diese Feuchtigkeit schlechter aufnimmt als nicht mercerisierte Baumwolle.

Egon Häbich  / pixelio.de
Viele Möglichkeiten der Textilveredlung/Nachbehandlung/Ausrüstung finden eher in der industriellen Herstellung ihre Anwendung. Hier gibt es eine kleine Zusammenstellung, basierend auf den Büchern: Von der Faser zum Stoff und Technologie für Bekleidungsberufe: Textilveredlung

Wir haben uns ausgetauscht über das Waschen, Bügeln, Färben und  Oberflächenbehandlungen wie Rauen, Kalandern und "Plissieren".

Walkende Frauen um 1770 in Schottland.
Das Thema vorbereitet hatte unser einziger Weber und dabei den ein oder anderen Spaß eingetreut.

Mit etwas mehr Abstand saßen wir nämlich beinahe genau so wie die Frauen auf dem Bild links zusammen am langen Tisch!

Wie immer wurde auch bei diesem Thema teilweise kontrovers diskutiert, aber genau dazu ist ja so ein Austausch da, verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen, damit jede/r anschließend den eigenen Weg finden kann.

Hier noch ein paar Links:

Bügeln mit historischen Geräten

Hammerwalke in der Schweiz 

Kastenmangel 

Zu guter Letzt noch ein Bild von einer Nachbehandlung der besonderen Art. Was kann man machen, wenn man Bedenken hat ob Wolle  eventuell mit Motten befallen ist? Hier konnte uns Jutta aus eigener leidvoller Erfahrung den Tipp eines professionellen Schädlingsbekämpfers weitergeben:

Einfrieren hilft leider nicht immer. Das Garn muss über eine Stunde einer Kerntemperatur von mindestens 60°C ausgesetzt werden; d.h. Sauna, Waschkessel oder Backofen!

Wie gut, dass es fürs Fleischgaren besondere Thermometer gibt, die auch in diesem Fall weiterhelfen. Wie sollte man sonst die Kerntemperatur einer Kone Merinowolle messen🐑?!

Montag, 24. August 2020

Der kleine Schwedenstern -

Beim letzten Treff hatte Jutta ihre Gewebe mit dem "kleinen Schwedenstern" dabei, eine alte Webpatrone noch aus ihrer Zeit an der Berufsfachschule für Handweber/innen in Siegen:

Ein Gewebe mit zwei sehr unterschiedlichen Gewebeseiten, die eine kett- die andere schussdomiert:

Will man die teilweise sehr langen Flottierungen (über 7 Fäden, sowohl in Kett- als auch in Schussrichtung) vermeiden, kann man die Anbindung verändern (rechts die Gewebeunterseiten):

Oder auch so. Die längsten Flottierungen in Kett- und Schussrichtung gehen nun nur noch über jeweils 4 Fäden, Gewebeober- und -unterseite gleichen sich an:

Schaut man sich den Einzug näher an, so kann man drei verschiedene Anteile erkennen:
geraden Einzug, spitzen Einzug, fortschreitenden Einzug (im Englischen advancing twill) hier über jeweils 3 Fäden.

Im Spiel mit diesen Anteilen eröffnet sich ein weites Feld an Bindungsmöglichkeiten. Angebunden werden Mehrgratköper. Hier ein Beispiel für einen Rapport mit Einzug von links nach rechts: 

  • 5x fortschreitend über jeweils 4 Kettfäden "rauf"
  • Gratwechsel 7 Kettfäden gerade "runter"
  • Gratwechsel 6 Kettfäden gerade "rauf"
  • Gratwechsel ein Kettfaden rauf beginnend, 5x fortschreitend über jeweils 4 Kettfäden "runter"
  • der letzte Kettfaden ist identisch mit dem ersten des Rapportes

Der Ablauf wird auf die Trittfolge übertragen, beginnt aber jeweils auf einem anderen Tritt:

Unten links die obere linke Variante und rechts davon die Anbindung gespiegelt und damit der Grat gewechselt. Ein Hoch auf die Web-Software, mit der das Spielen relativ einfach ist:

So, und damit höre ich hier auf und überlasse euch das Feld!

Montag, 10. August 2020

Aus der Färbeküche - 26. Juli 2020

Endlich war es wieder soweit: raus aus dem Homeoffice, hinein in die Farbtöpfe! Und nirgendwo kann man besser färben als bei Marion, gibt es dort doch jede Menge Platz. Das letzte Färben war ja nun auch schon wieder vier Jahre her, kaum zu glauben.

Nachdem wir uns das letzte mal im März gesehen hatten, gab es natürlich auch so viel zu erzählen; bis es dann in die Vollen ging: Auf dem Programm standen sowohl das Färben mit synthetischen Säurefarben als auch mit Pflanzenfarben.

 

Hier nun einiges zum Färben von tierischen Fasern (Wolle und Seide) mit Pflanzenfarben,
am Beispiel der Färbedroge Schilfblüten:

1. Das Beizen der Fasern

Beim Färben mit pflanzlichen Färbematerialien muss die Wolle zunächst gebeizt werden:
Die Metallmoleküle der Beize setzen sich an die Fasern. An diese können nun die Farbmoleküle andocken. Sie gehen eine unlösliche Verbindung ein, man spricht auch von Verlacken. Wie bei Karin Tegeler (klick!) gelernt, verwende ich dafür die moderne Aluminium Kaltbeize nach Johannes Harboth. Sie ist einerseits faserschonend, andererseits umweltfreundlich.

Die gereinigten Wollfasern oder –garne werden 8-12 Stunden in die Beize gelegt und anschließend mit klarem Wasser ausgespült. Das ist notwendig, da sich ansonsten im folgenden Färbebad die Farbmoleküle auch an die nicht mit der Faser verbundenen, schwimmenden Beizmoleküle hängen und zu Boden fallen würden. Für den eigentlichen Färbevorgang stünden somit weniger Farbmoleküle zur Verfügung.

Die gebeizte Wolle kann:

  • sofort zum Färben verwendet werden
  • oder zunächst getrocknet gelagert werden, um schnell Färbewolle griffbereit zu haben.

Bezugsquelle für die Kaltbeize: z.B. das-wollschaf.de (Anleitung liegt bei und ist wirklich einfach)

2. Das Sammeln der Schilfblüten

Der Zeitpunkt der Ernte bestimmt die Farbe, die man erzielen kann. Bei einer frühen Ernte, bevor die Rispen sich rot färben, kann ein sehr intensiver Gelbton gefärbt werden. Will man jedoch Grüntöne erreichen, müssen sich die Rispen erst rot färben.

 

3. Die Färbeflotte ansetzen

Die Schilfblüten werden 1-2 Stunden ausgekocht. Die so entstandene Färbeflotte wird durch ein engmaschiges Netz gegeben, um das Färbematerial heraus zu filtern. Das Material wird in dem Netz eingebunden und kann später beim Färben weiter mit verwendet werden um die Farbausbeute zu erhöhen. Der Einfachheit halber haben wir ohne Netz gearbeitet, und haben die ausgekochten Schilfblüten anschließend heraus gefischt.

Erstaunlicher Weise wird die Färbeflotte rot und die die eingelegten Fasern werden anschließend grün!

4. Das eigentliche Färben

Bevor die Fasern in die Färbeflotte kommen sollten zwei Dinge beachtet werden:

  • die Wolle sollte gut nass sein, es sollte sich keine Luft mehr zwischen den Fasern befinden, welche die Aufnahme der Farbe verhindern könnte
  • die Wolle sollte möglichst die gleiche Temperatur wie die Färbeflotte haben, Wolle verträgt keine starken Temperaturunterschiede, sie neigt dann zum Verfilzen

Die gebeizte und gespülte Wolle also in die möglichst gleichtemperierte Flotte legen und langsam auf max. 90° C hochheizen, solange in der Flotte belassen bis die gewünschte Farbtiefe erreicht ist. Bei manchen Färbedrogen hat die Temperatur der Färbeflotte Auswirkungen auf die Farbe, welche erzielt wird!

Wir haben insgesamt drei Züge gefärbt, 1. Zug 2 Stränge, 2. Zug 2 Stränge und im 3. Zug 1 Strang. Die erzielten Farbtiefen waren recht nah beieinander, so viel Farbstoff war in der Flotte. Zuhause habe ich drei der Stränge weiter gefärbt. Zunächst eine Überfärbung mit Rainfarn und anschließend ein Abdunkeln mit Eisenessig (siehe weiter unten):

 

Im mittleren Bildteil zu sehen sind von links nach rechts:

  • Schilf pur 1. Zug
  • Schilf pur 3. Zug mit Eisenessig abgedunkelt
  • Schilf 2. Zug mit Rainfarn überfärbt und mit Eisenessig abgedunkelt
  • Schilf 1. Zug mit Rainfarn überfärbt
  • Schilf 2. Zug mit Rainfarn überfärbt
  • ein frischer weißer Wollstrank mit dem Rest aus der Rainfarnflotte gefärbt

5. Nachbehandlung

Anschließend sollte die Wolle am besten langsam von alleine abkühlen und dann erst ausgewaschen werden. Oder in einen anderen Behälter mit temperiertem Wasser geben, wenn man noch weiter in der Flotte färben will. Denn nach dem sogenannten „ersten Zug“können noch beliebige weitere folgen, solange noch Färbepartikel in der Flottte sind.

Wir haben insgesamt drei Züge gemacht und es war immer noch „Farbe übrig“. Die Wolle kann anschließend noch in ein saures Essigbad gegeben werden, da Wolle säureliebend ist.

6. Eisenessig oder Eisen-III-Kaltbeize

Über die Verwendung von Eisenessig oder Eisen-III-Kaltbeize hat man eine weitere Möglichkeit auf die Färbung Einfluss zu nehmen. Beide Varianten dunkeln die Farben ab. Die erste Möglichkeit besteht darin, direkt eine andere Beize zu verwenden, nämlich die Eisen-III-Kaltbeize. Die zweite Möglichkeit ist, zunächst auf Kaltbeize AL (Aluminium Kaltbeize) zu färben.

Die Wolle wird aus der Färbeflotte genommen, der Flotte wird nach Wunsch Eisenessig zugegeben, und die Wolle nochmals für solange eingelegt, bis die gewünschte Farbe erreicht ist. Allerdings verliert die Wolle etwas an Weichheit😩.

Der Eisenessig kann wie folgt hergestellt werden: Eine Handvoll Eisennägel (unbeschichtet) oder besser Stahlwolle in ein Schraubglas geben, 10 ml Essigessenz zugeben, mit klarem Wasser auffüllen und stehen lassen. Ist ein rostiger Niederschlag zu sehen, hat sich Eisen im Essigbad gelöst und der Eisenessig ist verwendbar.

 

Und hier die andere "Baustelle", das Färben mit Säurefarben:

 
links Agnes Flammenfärbung für ihr nächstes Bildgewebe

Säurefarben liegen zunächst in pulverisierter Form vor. Aus den drei Grundfarben (gelb, rot, blau) und einem Blau-Türkis hatte Marion schon die sogenannten Stammlösungen vorbereitet. 

Mit Pinseln und Spritzen bewaffnet, wurden die Farben auf die Fasern aufgebracht, in Folie eingewickelt, und anschließend im Dampfgarer fixiert. So ist eine gezielte Farbverteilung zu erreichen. 

Will man etwas mehr den Zufall mit ins Spiel bringen kann man auch direkt in einer sogenannten Topffärbung die Farbe aufbringen.


 
 
So wurde es nach und nach immer bunter. Garnstränge, Webketten und Kammzüge wanderten nacheinder in den Topf, bzw. Dampfgarer. Dann ging es in die Wäscheschleuder und ab auf die Leine! Säurefarben werden durch Hitze fixiert. Manche färben auch in der Mikrowelle; die darf dann allerdings nicht mehr für Lebensmittel eingesetzt werden.

Das Fixieren in der Mikrowelle geht zwar vermeintlich schneller, es passt jedoch auch nicht soviel Färbegut auf einmal hinein wie z.B. im Dampfgarer. Professionelle(re) Färber/innen benutzen wohl auch Färbewannen. Da geht natürlich noch viel mehr auf einmal hinein.

 

Wie heißt es doch so schön, viele Wege führen nach Rom! So gibt es auch viele Wege beim Färben mit Säurefarben. Ach ja, Säurefarben heißen sie, weil das Ganze nur im sauren Milieu funktioniert, also z.B. unter Zugabe von Essigessenz. Und Säurefarbe ist dann wohl auch nicht gleich  Säurefarbe. Je nach Anbieter werden die Farben unterschiedlich. Vor allem Rot ist nicht gleich Rot!

Wer mehr darüber wissen möchte: youtube zeigt einem auch hier die Welt:
Färben mit Säurefarben auf youtube

Oder in Buchform das bekannteste Standardwerk:
1000 Farben auf Wolle und Seide

Eines ist auf jeden Fall klar: Vorsicht ist geboten, Färben kann süchtig machen!

Sonntag, 5. April 2020

WeberTreff im Homeoffice - 29. März 2020

Wenn ich mich richtig erinnere, war dies der erste Treff, der nicht stattgefunden hat. Im Zuge der allgemeinen Corona-Einschränkungen konnte auch unser Besuch in der Tuchfabrik in Euskirchen nicht stattfinden. Wir hoffen einfach mal, dass aufgeschoben nicht aufgehoben sein wird.

Statt dessen gibt es auch hier ein paar Bilder aus den Home-Offices! Manchmal gibt es mehrere Bilder zu einem Projekt, manchmal mehrere Projekte,  manchmal sind die Bild gestochen scharf und manchmal geben sie nur einen Eindruck wieder. Egal, das WeberInnen-Auge wird es schon erkennen!


In alphabetischer Reihenfolge:

Annemarie, Handtücher nach Winnie Poulsen (Väv 01.2019) und ein Schwedenstern, oder auch Snowflake/frost crystal
Barbara, Mehrgratköper im spitzen Einzug
Gabriele, links: Gerstenkorn (hier monochrom eingeschossen, Farbverflechtung ist noch in Arbeit)
rechts: cramming and denting Kette nach der entsprechenden Episode aus der Online Guild von Jane Stafford




Jutta, Gerstenkorngewebe mit Fransenrand und Farbverflechtung in Leinwand: 3 dunkel - 3 hell
Karo, "Mutmachschal" in breitem Fischgrat
Kirsten, advances twill = figurierter Köper, als klassisches Halbleinen
Marion, Deflected Double Weave mit selbst gefärbten Garnen, rechts oben Köpervariation
Matthias, Farbverflechtung in einer Kautschukbindung
Mechthild, Handtücher in Cottolin, Leinwand und Köpervariationen
Sabine, was in Blau geht, geht auch in Rot!
Silvia, Köperschal (selbstgesponnene Garne) und Farbverflechtung in Köperbindung
Susanne, Deflected Double Weave
Gerda, Crackle Weave (Handwoven Dezember 2015)

Zu guter letzt dann noch ein kleiner Bericht über eine Folge aus dem Buch: "Es gibt keinen Unsinn, den man  nicht machen kann!": Der eigene Mann schärt eine 23-Meter-Kette für seinen Hollandia-Webstuhl von Louet, doppelt so lang wie sonst üblich. Aber schließlich heiratet das Patenkind im Sommer und da müssen es dann mal ein paar Sternentücher mehr werden.

Was Mann kann, kann Frau auch! Beim Schären der Kette schießt es einem dann plötzlich in den Sinn: der Kettbaum auf dem eigenen Spring-Webstuhl ist viel kleiner; mit den einzulegenden Pappen wird der Kette wahrscheinlich gar nicht auf den Kettbaum passen😕. Die Kette vom Schärbaum zurückwickeln ist keine Option, also wird tapfer weiter geschärt. Irgendeine Lösung wird sich schon finden.

Zur Not müsste man die Kette doch auch nur zur Hälfte aufbäumen und dann abschneiden können, das  Gangkreuz mit vorziehen und den ersten "Kettteil" von dort aus in die Litzen einlesen. Die andere Hälfte müsste von der "Schnittstelle" aus zum oberen Fadenkreuz gehäkelt werden, welches dann beim Aufziehen des zweiten Kettteils sozusagen als Gangkreuz genutzt würde und ebenfalls mit vorgezogen werden müsste. Das müsste doch gehen?!

Oder man hat das Glück, dass der Weber auch noch Tischler ist, und außerdem die richtigen Ideen hat: Bäumscheiben müssen her, dann baut die Kette nicht mehr so hoch und passt in einem Stück auf den Webstuhl:


Zum hoffentlich besseren Verständnis hier die Abfolge der vier notwendigen Bäumlatten:


Die Kettbaum-Schnüre werden nicht mehr an einen Stab gebunden. Jeweils eine Extra-Texolv-Schnur wird an den Kettbaumschnüren befestigt, durch die erste Bäumlatte geführt und mit einem Texolv-Stecker fixiert. Die Kette wird auf die zweite Bäumlatte verteilt, durch welche die Texolv-Schnüre weitergeführt werden. Und auch die zweite Bäumlatte wird wieder mit Texolv-Steckern fixiert.
Damit die Bäumscheiben auf den Bäumlatten frei verschiebbar sind und auch die Kette glatt auf den Bäumlatten zu liegen kommt, können die verbindenden Texolv-Schnüre nicht als Schlingen über die Latten gelegt werden. Die Texolv-Schnüre müssen durch mittige Bohrungen durch die Latten 1 und 2 geführt werden und die Latten entsprechend hoch genug sein, damit die Texolv-Stecker sind anschließend dazwischen legen können. 

Die Latten 3 und 4 werden während der ersten Bäumrunde lose eingelegt. Die Bäumscheibenhälften werden aufgelegt, mittels langer Schrauben (am besten Schlossschrauben) zusammengeführt und fixieren die Latten dann an der richtigen Position.

Beim ersten Mal hat das Ganze schon ein wenig gedauert, aber das spielt sich bestimmt noch ein. Das Aufbäumen selber ging dann rubbeldikatz! Falls jemand nachbauen möchte und noch Fragen dazu hat, bitte einfach per Mail melden.

Und da der Tischler gerade in Aktion war, gab es auch noch einen Spulenhalter für den Webstuhl:


So, das war's erst einmal aus der WeberTreff-Pause. Noch hoffen wir, dass der Wollmarkt in Kuchenheim stattfinden wird. Bis Juni sind ja noch ein paar Tage hin!

Dienstag, 28. Januar 2020

Farbverflechtungen - 26. Januar 2020

Wo simmer denn dran? Aha, heute krieje mer de Farbverflechtung. Also, wat is en Farbverflechtung? Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: En Farbverflechtung, dat is ene jroße jeordnetes Durcheinander, da kumme von obe und de Seite bunte Fädsche. De eine Fädsche, dat sind de Kettfädsche. Und de andere Fädsche, dat krieje mer später."
Ganz so wie in der "Feuerzangenbowle" war es nicht, aber so ähnlich. Zuerst einmal haben wir uns angeschaut, was keine Farbverflechtung ist:


Links verflechten sich eine einfarbige Kette und ein gleichfarbiger Schuss miteinander. Es entsteht ein monochromes, also rein einfarbiges Leinwandgewebe. Keine Farbunterschiede, keine Farbverflechtung.
In der Mitte verflechten sich eine einfarbige Kette und ein andersfarbiger, ebenfalls in sich einfarbiger Schuss miteinander. Es entsteht ein Leinwandgewebe in einer Farbmischung aus Kette und Schuss, keine Farbverflechtung.
Rechts verflechten sich eine bunt gestreifte Kette und ein bunt gestreifter Schuss miteinander. Es entsteht ein Leinwandgewebe mit unterschiedlichen Farbmischungen, Farbgestaltung also, immer noch keine Farbverflechung.

Hier nun ein erstes Beispiel für eine Farbverflechtung in Leinwand. Für eine Leinwand reichen natürlich auch zwei Schäfte aus. Hier in den Beispielen habe ich sie auf vier Schäfte verteilt:
Erst durch das Aufeinandertreffen von sozusagen "rhythmischen" Farbfolgen sowohl in Kette als auch in Schuss, im Zusammenspiel mit der jeweils verwendeten Bindung entsteht eine sogenannte Farbverflechtung. Die Bindung tritt in den Hintergrund, die farbliche Verflechtung überspielt die eigentliche Bindung und tritt in der Vordergrund.


In dem obigen Leinwand-Beispiel ist die Farbfolge im Schuss durchgehend a-b-a-b.
Links ist die Farbfolge in der Kette ebenfalls a-b-a-b, es entstehen waagerechte Streifen.
Rechts wechselt die Farbfolge in der Kette auf b-a-b-a, es entstehen senkrechte Streifen.
Ändert man nun auch die Farbfolge im Schuss, so werden die Effekte umgekehrt. Diese Farbverflechtung hat auch den Namen "Logcabin", übersetzt "Blockhaus":


Auf den ersten Blick scheint die folgende Farbverflechtung identisch zu sein. Ein zweiter Blick zeigt die Unterschiede. Farbfolge in Kette und Schuss sind hier durchgängig a-b-a-b. Hier werden die Effektwechsel durch eine Umkehrung des Einzuges, bzw. der Trittfolge bewirkt, was natürlich auch Einfluß auf die entstehende Bindung hat. An den Wechseln entstehen jeweils 2er-Flottierungen. Diese Systematik wird beim sogenannten "Shadow Weave" verwendet.


 Hier noch jeweils ein Gewebebeispiel:
                                      Logcabin                                                             Shadow Weave


Zur Anregung noch weitere Farbverflechtungen:



Die Kombination verschiedener Farbfolgen sowohl in Kette als auch in Schuss nennt man "Glencheck". Verläuft über diesem Muster ein zweites kontrastfarbenes Karo, so spricht man vom "Prince of Wales Check". Glenchecks gibt es auch in Köperbindungen und auch in Kombinationen von Leinwand und Köperbindungen. Momentan sind sie wohl mal wieder en vogue! 
Hier in reiner Leinwandbindung:


Aber es gibt ja nicht nur Farbverflechtungen in Leinwandbindung:

Die Worte Pepita und Hahnentritt nehmen wir lieber erst gar nicht in den Mund. Wer recherchiert findet jede Erklärung für jede Farbverflechtung. Was zählt ist letztendlich das Ergebnis, wie auch immer es heißt.



Bei den Strukturbindungen kommt nun noch ein zusätzlicher Faktor mit ins Spiel, die unterschiedliche Webeinarbeitung der Fäden und damit auch das Verhalten der Fäden bei der Nachbehandlung. In längerflottierenden Bereichen können sich die Fäden beim Herunternehmen vom Webstuhl stärker entspannen und auch bei der Wäsche stärker zusammenziehen, wohingegen die Fäden in leinwandbindigen Bereichen wesentlich mehr eingebunden sind, sich nicht so gut entspannen können und dazu noch die Tendenz haben sich in die längerflottierenden Bereiche hin auszudehnen. 
Rechts eine zusammengesetze Bindung.






Die Sterne der folgenden Farbverflechtung, in einer Kautschukbindung, verwandeln sich in dynamische Windräder. Auch dies ist eine Farbverflechtung, die momentan sehr aktuell ist.


Unten in der Mitte ein Beispiel dafür, dass man die eigentliche Struktur eines Gewebes in einer Strukturbindung am besten in einem hellen monochromen Gewebe erkennen kann. Rechts und links ist die Kette in einem starken Helligkeitskontrast eingezogen, das Auge nimmt nahezu nur die Kontraste wahr, die hier das Gewebebild sehr verwirren. Es handelt sich nicht um eine Farbverflechtung:



Hier ein Beispiel für eine Farbverflechtung in der Strukturbindung Schussgerstenkorn:

Links das Bindungsbild (die Struktur), rechts die resultierende Farbverflechtung mit einem Computerprogramm erstellt.
 
Links das Gewebe auf dem Webstuhl, dass noch weitestgehend der Computer-Farbverflechtung entspricht. Rechts das fertige Gewebe nach der Wäsche. Hier hat sich einiges getan. 

Das Zeichnen von Farbverflechtungen, sei es mit einem Computerprogramm oder per Hand auf Papier geben gerade bei Strukturbindungen nicht das tatsächliche Gewebebild des fertigen Gewebes wieder. Manchmal muss man eben doch einfach ausprobieren! Das Beispiel stammt übringens aus folgendem Buch: Tom Knisely Huck Lace Weaving Patterns


Für unseren Treff gehört auch das Deflected Double Weave zu den Farbverflechtungen:


Hier entsteht das "Muster" dadurch, dass sich in diesem Fall Kett- und Schusspartien (hier jeweils 4 Fäden) miteinander verflechten und sich Leinwandpartien, Partien mit ausschließlich Ketthebungen und Partien mit ausschießlich Kettsenkungen bilden. Wer etwas mehr dazu wissen möchte, kann  zum einen unseren Blogbeitrag zum Thema lesen: Deflected double, zum anderen kann man im Haus der Handweberei in Sindelfingen per Mail ein Heft zum Thema anfordern.


Hier noch ein paar mäandernde Farbverflechtungen.
Wir waren der Meinung, dass sie wohl nur mit etwas stärkeren Garnen richtig zur Geltung kommen:

Quadarate gehen auch:

Und auch noch ein paar Beispiele aus einer "Schulmappe":


Helga Jossen vom Verein "Rosengang" hat uns freundlicherweise die Erlaubnis gegeben einen ihrer alten Rundbriefe aus 2013 zum Thema Farbverflechtungen hier online zu stellen: Rundbrief 26
Unseren herzlichen Dank an Helga und ihre Mitstreiterinnen!
Wie oben schon kurz erwähnt, gibt es noch die Möglichkeit, eine Farbverflechtung per Hand zu zeichnen. Hier das Arbeitsblatt, mit dem wir uns vergnügt haben. 
Anleitung in Ruhe durchlesen und befolgen😉: Arbeitsblatt Farbverflechtungen
Das war's dann mal wieder mit der Rückschau auf unseren Treff. Im November gibt es dann  ja die fertigen Gewebe zu sehen. Denn der Treff war ja der Einstieg in unser diesjähriges Jahresprojekt. Mal sehen wer mitmacht. Falls jemand von euch auch Lust hat? Gerne! Zu weit weg zum Kommen? Dann schickt doch einfach Fotos und wir stellen sie mit unseren zusammen im Blog aus!!!