Dienstag, 4. Dezember 2018

Klick, klick, klick - Perlendreher am 25. November 2018

Schade, dass Bilder nicht vermitteln können wie sich ein Gewebe anfühlt. Denn wie eigentlich alle anderen Gewebe auch, hängt die Haptik eines Drehergewebes von vielen Bedingungen ab: verwendete Materialien und damit auch deren Elastizität, Stärke der Garne, Einzugs- und Anschlagsdichte, ... und hier auch die Anordnung der Dreher-Einheiten. 

Zwei Dinge fielen besonders auf: 
zum einen die starke Bauschigkeit oder auch Dreidimensionalität einiger Gewebe, der dunkelrote Schal unten links war auf dem Webstuhl noch doppelt so breit!

und zum anderen, wie man ebenfalls auf dem linken Bild bei dem blaugrauen Schal gut sehen kann, die Tatsache, dass aus einem auf dem Webstuhl rechteckigen Gewebe nach der Abnahme plötzlich eine Raute entstehen kann. Letzteres kann man zunächst als Fehler ansehen oder aber auch zum beabsichtigen System erheben!



 Wie der Perlendreher im Detail funktioniert könnt ihr den folgenden drei Skripten entnehmen:
Jedes Skript beschäftigt sich mit dem gleichen Thema und hat doch unterschiedliche Herangehensweisen, so dass sie sich zusammen wunderbar ergänzen. Und hier noch ein Gewebebeispiel in Anlehnung an Doris Vorschlag für eine Musterkette:


Auf dem Klick sah das Ganze dann so aus:


Wir wünschen viel Spaß beim Studium der Skripte und  natürlich beim praktischen Ausprobieren!

Samstag, 1. Dezember 2018

Wir sind dann mal weg!



Wie bei den zehn kleinen...    Nacheinander hat Gabriele ein Kästchen nach dem anderen verschwinden lassen! Eigentlich haben ihre Tücher 9 Farbstreifen (irgendwie wollten nie alle auf ein Bild 😉).
Bei einer normalen Kontermarschanbindung bräuchte sie also 9+1=10 Einzugs- und Trittpartien mit jeweils 4 Schäften bzw. Tritten: 40 Schäfte und 40 Tritte!

Sie hat es mit 8 Schäften und 8 Tritten realisieren können - dank Anni Albers, bzw. dank unserer Aufarbeitung ihrer WebArbeit "With verticals":


Rechts die "normale" Patrone. Die Schäfte bzw. Tritte 1 bis 4 werden für die Partien mit durchgehendem Köper 1/3 genutzt. 

Jede Partie, die etwas anderes zeigen soll braucht jeweils 4 neue Schäfte und dementsprechend 4 neue Tritte.

Das war Gabrieles eigentlicher Entwurf - bis sie den Artikel zu Anni Albers gelesen hat.


Soll in einem Streifen das Kästchen verschwinden, braucht es weitere 4 Schäfte und vier Tritte. Damit wären es schon 12 Schäfte und 12 Tritte. 

Der Trick, den Anni Albers ja angewendet haben muss, ist den Schuss an einer definierten Stelle aus dem Gewebe zu ziehen, umzutreten, und an gleicher Stelle wieder abtauchen zu lassen.



Durch den Farbwechsel sind diese definierten Stellen idealerweise vorgegeben. Der Bereich im grünen Kästchen wird einfach mit der ersten Trittpartie gewebt:

Anleitung zu lesen von unten nach oben:
Tritt 8 ⇦ Tritt 4
Tritt 7 ⇨ Tritt 3
Tritt 6 ⇦ Tritt 2
Tritt 5 ⇨ Tritt 1


Eine wie ich finde wunderbare Weiterentwicklung einer Idee: vom Auftauchen eines Gratwechsels im Gewebe zum Abtauchen teilweiser Partien. Wir sind gespannt auf Weiteres!

Montag, 5. November 2018

Eine Woche mit Winnie Poulsen - 15. bis 19. Oktober 2018

Weben verbindet nicht nur Fäden in Form von Kette und Schuss, Weben verbindet auch die Menschen miteinander. Eine Weberin aus unserem Treff, selber Dänin, warf die Idee in den Raum, ein Seminar mit Winnie Poulsen zu organisieren. Und so schnell konnte man gar nicht schauen, wie sie mit Winnie einen Termin gefunden hatte, wie über "das Alte Haus" in Heischeid ein Seminarort gefunden und vor allen Dingen, wie schnell das Seminar belegt war.

Winnie Poulsen?! Sie hat früh für sich erkannt, dass sie von dem Verkauf von selbsgewebten Produkten nicht leben kann. Sie muss also nicht schnell weben und benutzt daher schon lange keinen Schnellschuss mehr. Liebevolle, aufwändigere Produktdetails wie spezielle Lösungen für Aufhänger, handgesäumte Abschlüsse und einiges mehr, sind Kennzeichen ihrer Arbeiten. Wer etwas mehr über sie erfahren möchte, sollte dänisch können: Fernsehbericht über Winnie Poulsen

Neben den Webstühlen in Juttas Webstube wurden noch transportable Webgeräte mitgebracht, so dass reichlich Webstühle einzurichten waren, bevor es dann mit dem Weben beginnen konnte. Und kein Webstuhl ist wirklich eingerichtet, wenn nicht die Kantfäden, oder auch Kantfädenbündel, mit ausreichend Gewicht (im Schnitt 1 Kilo!) ausgestattet sind. Da mussten wir dann spontan kreativ werden, was uns Weber/innen nicht schwer fällt:


"Die Kant" ist für Winnie so wichtig, dass sie sogar den Schnellschuss aus ihrem Weben verabschiedet hat, um sie so besser im Blick zu haben. Auch setzt sie gerne dünne Nylonfäden an die Kanten, um diese noch besser stabilisieren zu können. So kann es durchaus auch einmal passieren, dass an den Kanten jeweils zwei separate Gewichte zum Einsatz kommen. (obere Collage unten rechts). Nach dem Abnehmen des Gewebes vom Webstuhl werden diese Nylonfäden dann natürlich herausgezogen. Und dann nicht zu vergessen der Einsatz eines Breithalters. Alles geschieht, um die Kettfäden weitmöglichst zu schonen. Ein "so macht man das nicht" gibt es bei Winnie Poulsen nicht, sondern "was funktioniert, das ist gerade richtig".

Sogar das Wetter spielte mit in dieser Woche. Wir konnten draußen arbeiten und es uns auch gut sein lassen. Anhand mitgebrachter eigener Webstücke erläuterte Winnie, was ihr beim Weben wichtig ist und ließ uns an ihren Erfahrungen teilhaben. Ruckzuck war die Woche schon um.


Beim gemeinsamen Abschluss waren sich alle einig: wir hatten es richtig gut miteinander! Wir hatten eine gelassene Lehrerin, die in jeder Situation eine Lösung fand und auch selber mal unter den Webstuhl krabblelte. Wir hatten im "Alten Haus" einen Kursort mit vielen Möglichkeiten, keinen Zeitdruck, da einige  Kursteilnehmerinnen aus der Gegend kamen und in Ruhe "nachweben" können. Und vor allen Dingen hatten wir in Jutta eine wunderbare Gastgeberin!

Freitag, 12. Oktober 2018

Misslungenes und Anni Albers - 30. September 2018

Wer zeigt schon gerne Misslungenes. Aber das ist nicht der Grund, warum es keine Bilder von unseren Outtakes gibt. Wir haben schlichtweg vergessen Fotos zu machen. Viel war es jedenfalls nicht. Das ein oder andere Misslungene lag dann doch noch auf dem Tisch:
  • falsche Fadendichten in Kett oder Schuss
  • Materialkombinationen, die sich in der Nachbehandlung unterschiedlich verhalten und so ungewollt zu Wellen und Tälern führen
  • Farbverlaufsgarn im Schuss, welches nicht entsprechend gespult wurde
  • flächig zusammengefilzte Wollgewebe, die schon filzen sollten, jedoch nicht auch noch in sich miteinander
  • Schussflottierungen unterhalb des Gewebes, die erst nach der Abnahme vom Webstuhl zu sehen waren
  • ein geplanter Farbwechsel in Kettrichtung, welcher sich diagonal anstatt vertikal entwickelt hat
Und wie immer kann man aus jedem Fehler etwas lernen. Entweder wie man es besser machen kann, oder wie man den vermeintlichen Fehler zum System erhebt.

Dann gab es noch einen kleinen Ausflug zu dem Projekt zur Arbeit von Anni Albers: With Verticals.
Über "Zoom in" kann man sich dort die Arbeit gut im Detail anschauen. Die Frage, die sich beim Besuch der Ausstellung gestellt hatte, war ja: wie hat sie das nur gemacht? Unsere Idee ist, dass sie ganz einfach den Schussfaden nicht komplett durchgeschossen hat. An definierter Stelle hat sie das Schiffchen immer wieder aus dem Fach hochgeholt, umgetreten, das Schiffchen in derselben Stelle wieder in das Fach eingeführt und weitergeschossen.

Hier unsere erste Variante mit "spitzen Wechseln". (Trittwechselstelle zwischen Kettfäden auf Schaft 1 und 2)

⇨ = Schuss von links nach rechts bis zur "Trittwechselstelle"
⇦ = Schuss von rechts nach links bis zur "Trittwechselstelle"

Anleitung zu lesen von unten nach oben:
Tritt 2 ⇦ Tritt 6
Tritt 3 ⇨ Tritt 5
Tritt 4 ⇦ Tritt 4
Tritt 5 ⇨ Tritt 3
Tritt 6 ⇦ Tritt 2
Tritt 1 ⇨ Tritt 1

Tritte 1 und 4 erlauben einen glatten "Durchschuss" 😉.







Anleitung zu lesen von unten nach oben:
Tritt 6 ⇦ Tritt 2
Tritt 5 ⇨ Tritt 3
Tritt 4 ⇦ Tritt 4
Tritt 3 ⇨ Tritt 5
Tritt 2 ⇦ Tritt 6
Tritt 1 ⇨ Tritt 1



Abweichend von dem Original haben wir dann noch eine Variante mit "gebrochenen Wechseln" entwickelt:




Anleitung zu lesen von unten nach oben:
Tritt 6 ⇦ Tritt 4
Tritt 5 ⇨ Tritt 5
Tritt 4 ⇦ Tritt 6
Tritt 3 ⇨ Tritt 1
Tritt 2 ⇦ Tritt 2
Tritt 1 ⇨ Tritt 3
Tritt 6 ⇦ Tritt 6 (letzter Schuss vor Wechsel)

Tritte 2 und 5 erlauben einen glatten "Durchschuss" 😉.







Anleitung zu lesen von unten nach oben:
Tritt 4 ⇦ Tritt 6
Tritt 5 ⇨ Tritt 5
Tritt 6 ⇦ Tritt 4
Tritt 1 ⇨ Tritt 3
Tritt 2 ⇦ Tritt 2
Tritt 3 ⇨ Tritt 1
Tritt 6 ⇦ Tritt 6 (letzter Schuss vor Wechsel)



Grundsätzlich ist ein Wechsel, ob gebrochen oder spitz, zwischen allen Kettfäden möglich. Es muss dann nur die entsprechende Trittfolge erarbeitet werden.

Und hier einige Bilder zur praktischen Umsetzung. Die Trittwechselstelle wurde in diesem Fall durch einen bunten Faden gekennzeichnet, welcher zusätzlich zum Kettfaden auf Schaft 1 eingezogen wurde.


Anni Albers Arbeit heißt "With Verticals". Das heißt sie hat beide Richtungen aufgebrochen, den Schuss wie oben gezeigt, und die Kette durch partieweises Austauschen der Kettfäden. Die Bilder zeigen die Umsetzung eines einfachen Entwurfes:


Hier unsere Herangehensweise auf unserem "David", der als Tiefzug arbeitet:


Die "neuen" Kettfäden werden von hinten zusätzlich zum ursprünglichen Kettfaden durch die "erste" Litze gezogen, durchs Blatt gezogen und mit einer Stecknadel etwas vorm Geweberand befestigt. Anschließend wird der zusätzliche Kettfaden unter den ersten beiden ursprünglichen hindurchgeführt, nochmals an der Stecknadel befestigt und gleich wieder zurück durchs Blatt und durch die nächste Litze wieder hinter den Webstuhl geführt; beide Fadenenden werden nach hinten mit Gewichten abgehangen. (Es werden also immer zwei Kettfäden durch einen neuen Faden "ersetzt".) Die ursprünglichen Kettfäden werden als Bündel hinter der Weblade durch ein Gewicht nach unten abgehangen.

Das Schiffchen wird durch das Fach geführt und dabei über die abgehangenen Kettfäden geleitet, die somit immer auf der Gewebeunterseite bleiben:

Sind die neuen Kettfäden nach einer Weile genügend eingewebt, können die Stecknadel entfernt und die Kettfäden nach hinten angezogen werden. Ist die gewünschte Höhe des Kettstreifens erreicht, werden die zusätzlichen Kettfäden mit ausreichender Länge abgeschnitten und fadenweise zwischen den ursprünglichen Kettfäden auf die Gewebeunterseite geführt. Nach Abnahme des Gewebes können sie dort vernäht werden. So haben wir es jedenfalls gehandhabt.


Und zu guter Letzt noch ein kleines Anschauungsvideo. Der zusätzliche Orientierungsfaden für das Erkennen der Trittwechselstelle wurde hier durch einen von oben durch die Kette geführten Orientierungsfaden ersetzt. Diese Lösung hat sich als leichter zu handhaben herausgestellt.




Uns hat das Projekt jedenfalls viel Spaß gemacht, und auch zu so manch meditativer Übung geführt, wenn es mal wieder nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht inspiriert es ja zum Nachmachen, Weiterentwickeln, oder zu neuen Ideen beim Weben!




Mittwoch, 15. August 2018

Anni Albers, ein Ausstellungsbesuch - 12. August 2018

Bis zum 09. September ist sie noch zu besuchen, die Ausstellung der Bauhaus-Künstlerin Anni Albers im K20 in Düsseldorf. Anschließend muss man dann bis London reisen, um sich im Tate Modern die Ausstellung anzuschauen. Dort ist sie vom 12. Oktober bis 27. Januar 2019 zu sehen.


Da Weber/innen immer gerne alles anfassen und Gewebe natürlich gerne von der Rückseite sehen möchten, mussten wir uns immer wieder bezähmen nicht zu nah an die Ausstellungsstücke heranzugehen.

Ein besonderes Ausstellungsstück ist ihre 1966 bis 1967 entstandene Arbeit "Six Prayers", eine Leihgabe des Jewish Museum in New York. Es erinnert an sechs Millionen ermordete Juden in Europa und ist von Anni Albers als meditative Gedankstätte an die Opfer des Holocaust erschaffen worden. Aus konservatorischen Gründen ist diese Arbeit in den letzten Jahrzehnten nur zweimal in Europa zu sehen gewesen!

Auf ihren Reisen nach Mexiko und Südamerika hat sie Technik der Bauchwebgurte kennengelernt. Leider ist im Deutschen mal wieder kaum etwas darüber zu finden. Wer mehr wissen möchte, muss sich dem englischen Sprachraum zuwenden: Backstrap Weaving. Diese Technik hat großen Einfluss auf ihre Weben genommen. Offensichtlich waren ihr der strikte Rahmen von Kette und Schuss, von Waagerechte und Senkrechte, zu eng. Durch händisches Eingreifen hat sie diesen Rahmen immer mehr aufgebrochen und große Freiheit in ihrer Gestaltung erlangt. 

Mich und meinen Mann hat der Besuch der Ausstellung sehr inspiriert. Momentan sind wir auf den Spuren ihrer Arbeit "With Verticals" von 1946 unterwegs und versuchen ihrer Webtechnik auf den Grund zu gehen - spannend! Wir gehen davon aus, dass sie einen Webstuhl mit 8 Schäften zur Verfügung hatte. Intensive Betrachtung des Webstückes (beste Auflösung in obigem Link gefunden - Zoom in), sowie erste theoretische Betrachtungen lassen darauf schließen, dass sie einen 3/3er Köper benutzt hat. Wir werden dann berichten, wenn wir unsere ersten praktischen Umsetzungen gemacht haben!

Hier weitere Links zu Anni Albers:




Mittwoch, 8. August 2018

Aus dem Nähkästchen - Paspeln, 29. Juli 2018

Bevor es an das eigentliche Thema ging, konnten wir noch einige mitgebrachte Gewebe bewundern. Zum einen gab es zwei Schals aus handgefärbten Ketten. Da bekommt man richtig Lust auch mal wieder zu färben!
Die Kissenbezüge sind in Stabdoppelgewebe-Technik gewebt - eine wahnsinnige Fleißarbeit! Auf jeden Fall haben sie uns so begeistert, dass wir im nächsten Jahr vielleicht einen Tag zum Stabdoppelgewebe machen werden; wir müssen nur noch die Fachfrau überzeugen, dass das schon gelingen wird. Denn so einfach zu verstehen ist es wohl nicht. Auf jeden Fall ist die Technik, welche sie gelernt hat eine andere, als wir es uns zusammengereimt haben. (Siehe unser Beitrag vom März: klick!).


Und dann ging es hinein in das eigentliche Thema: Paspeln! Wir wissen jetzt, dass es Taschenpaspeln, Kantenpaspeln (Biesen oder Keder) und auch Knopflochpaspeln gibt. Tip der Dozentin für das Nähen von Kissen mit Biesen: kostenlose Anleitung Kissenbezug. Unser Augenmerk lag auf der Taschenpaspel. Sie kann in eine Fläche eingesetzt werden, kann eine Taschenklappe beinhalten oder auch mit einem Riegel versehen werden. Sie kann nur zur "Zierde" eingearbeitet werden (ohne wirkliche Tasche dahinter),  oder die Öffnung zu einer innenliegenden Tasche bilden:


Ausgerüstet mit Bleistift und Geodreieck ging es dann konkret zur Sache. Wichtig ist absolut genaues Arbeiten, besser eine Probe aus dem gleichen Stoff nähen und dort Erfahrungen sammeln bevor es dann an das richtige Kleidungsstück geht. Jede von uns hat sich ein Muster mit den verschiedenen Stufen der Paspel genäht: 1. Paspelbereich aufmalen, 2. Paspeln entlang der Hilfslinien aufnähen, 3. Stoff aufschneiden, wenden und Paspeln sichern. 

Bei der ein oder anderen sah es am Ende auch richtig gut aus. 
Wir anderen müssen noch ein wenig üben. Aber, wir wissen ja jetzt wie es geht 😕😊!


Im Nachhinein habe ich nach "Anleitungen" im Netz gesucht und auch einige wenige gefunden. Ob ich es danach gelernt hätte? Da bin ich mir nicht sicher, eher nicht. Es fehlt immer das ein oder ander Detail. Nichts geht über die praktische Anleitung von einer, die sich gut damit auskennt, und die man vor allen Dingen bei Unklarheiten direkt fragen kann. Daher versuche ich auch gar nicht erst, hier eine Anleitung zu geben. Wie immer kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz. Ich sage euch, es war vielfältig und lecker!
 

Donnerstag, 26. Juli 2018

Dräll ist nicht gleich Dräll - 27. Mai 2018

Bevor es am nächsten Sonntag schon weiter geht, hier noch der Nachtrag vom letzten WeberTreff:

Wir waren eine recht große Gruppe von Weberinnen und einem Weber, die Susannes Ausführungen zum Daldräll zugehört haben. Dazu gab es eine sehr großes Anzahl von Mustern zum Ansehen und Befühlen - in ganz verschiedenen Materialien. Auch die Theorie kam nicht zu kurz, und einige Bücher zum Thema lagen zum Nachschlagen bereit. Am Ende gab es auch noch die verschiedensten Arbeiten der Teilnehmerinnen zu begutachten. Ich glaube, dass jeder etwas für sich mitnehmen konnte. Jetzt freue ich mich auf unser nächstes Treffen.
Gerda





Und von mir noch ein paar Gedanken zur Theorie:
Dräll, was genau versteht man darunter. Für die einen ist es ganz klar: Daldräll! Aber da gibt es doch noch mehr: Bettelmannsdrell, Blockdräll, Halvdräll, Såldräll, Jämtlandsdräll, ... und dann auch noch Drell.

Hinter all diesen Bindungen steht die Idee eine Gewebefläche zu gestalten; und zwar durch die Kombination von zwei verschiedenen Effekten: zeigt mehr oder weniger große Flottierungen auf der Gewebeoberseite, bzw. auf der Gewebeunterseite. 


Der Mönchsgurt, oder auch Munkabälte, ebnet uns den Weg zur Dräll-Familie:

Bei vier Schäften stehen uns zwei mögliche Partien zur Verfügung. 1 Kettsystem, 2 Schusssysteme

Schusssystem 1 (Grundschüsse) bindet mit der Kette als Leinwand ab. Schusssystem 2 sind die Musterschüsse, die entweder auf der Gewebeoberseite, oder auf der Gewebeunterseite flottieren.

Hierbei können die Musterschüsse dicker sein als die Grundschüsse, müssen es aber nicht.



Vom Munkabälte zum Blockdräll ist nur ein kleiner Schritt:
Durch das Einfügen von An- bzw. Abbindefäden können größere Flächen gestaltet werden. Der Ab- bzw. Anbindefaden wird immer auf den "anderen" geraden, bzw ungeraden Schaft gesetzt. Also im linken Beispiel von 1 auf 3, bzw. von  4 auf  2.
Auch hier: 1 Kett-, 2 Schussssysteme
Zwei Partien bei vier Schäften
Leinwandgrund
Andere Namen: Halvdräll, vereinfachter Dräll


Der nächste Schritt führt zum Daldräll (Dräll aus Dalarna in Schweden), im Englischen auch Overshot genannt:


Auch hier: 1 Kett-, 2 Schussssysteme; aber es stehen uns bei vier Schäften auch vier Partien zur Verfügung. Neben den zwei "reinen" Effekten - Musterschuss flottet oben, bzw. flottet unten -  entstehen hier nun jeweils zwei Mischbereiche, in denen der Musterschuss immer nur ein wenig auftaucht. Beim Daldräll oder auch Overshot wird der Musterschuss gerne dicker gewählt als der Grundschuss. Auch hier werden die Musterschüsse in einen Leinwandgrund eingetragen.

Auch hier sind Ab-, bzw. Anbindefäden möglich. Dabei entstehen in den "Mischbereichen" zusätzliche Dreierflottierungen.

Damit sei hier genug gesagt, alles weitere würde schon wieder zu einem kleinen Buch führen. Hier soll ja nur ein kleiner erster Überblick gegeben werden.






In Schweden scheint ja der ein oder andere Ort seinen eigenen Dräll zu haben: Ångermanlandsdräll, Förenkladdräll, Elviraduken, ... Wenn man aber genauer hinschaut ist es dann oft doch einfach ein Daldräll. Aber nicht so beim Kukkoladräll. Meiner Meinung nach ist dieser ein Jämtlandsdräll, der wiederum ein Daldräll mit An-, bzw. Abbindungen ist. Genug verwirrt?


Ich habe die vier Partien farblich voneinander abgesetzt, zum besseren Verständnis. Links ist der ganz normale Daldrälleinzug zu sehen. In der rechten Hälfte wird nun jeder vierte Faden auf den jeweils anderen geraden, bzw. ungeraden Schaft gesetzt. Dadurch entstehen in jeder Trittpartie jeweils zwei Partiebereiche, welche Musterschussflottierungen auf der Gewebeoberseite zeigen, und zwei Partiebereiche, bei denen diese auf der Gewebeunterseite zu sehen sind.

Hier ein Gewebebeispiel. Es entspricht nahezu einem Blockdräll; aber ist es eben doch nicht ganz:



Nur so nebenbei, jenseits des Dräll: entspricht die Trittfolge dem Einzug, dann landet man beim Crackle. Die "Durchbrüche" der Musterschüsse erinnern an Krakelüren 😏:


Wer sich näher mit dem Thema Crackle auseinandersetzen möchte:
Ein Buch von Susan Wilson: Weave Classic Crackle & More
Und hier ein Beitrag von Maliz: strick17.blogspot.com  


Zurück zum Dräll, da gibt es auch noch den Såldräll:

Beim "echten"  Såldräll gibt es auch hier zwei Partien bei vier  Schäften. Anders als bei allen vorherigen Beispielen gibt es jedoch nur 1 Kettsystem und 1 Schusssystem.

Leider habe ich kein Gewebebild dazu. Aber in den Weiten des Internets werdet ihr bestimmt fündig.

Es entstehen Leinwand-Bereiche, die in die anderen Schussrips-Bereiche hineinstreben und dort die Kett- und Schussfäden zusammenschieben.


Im "Manual of swedish handweaving" von Ulla Cyrus-Zetterstöm findet sich eine Variante mit 3 Einzugspartien auf 4 Schäften; die Not von 4 Schäften und 6 Tritten machte eben erfinderisch, wenn auch nicht perfekt.











Nun noch eine Variante auf 8 Schäften mit 4 einzeln anzusteuernden Einzugspartien, entwickelt von mir:

Es werden zwei Grundschäfte benötigt und jeweils 2 Schäfte für jede Einzugspartie. Bei 8 Schäften also drei mögliche Einzugspartien. In der untersten Trittpartie arbeiten alle Einzugspartien in Leinwandbindung. Kehrt man in einer Trittpartie die Anbindung der Schäfte um (aus Hebung wird Senkung, aus Senkung wird Hebung), dann arbeitet diese Partie als "Schussrips". Es ist also möglich, dass alle Bereiche als Schussrips abbinden.


Bei Erika Arndt findet man den Bettelmannsdrell:
Ich finde, er entspricht dem Såldräl. Sie zeigt die Einzüge für zwei-, drei- und vierfädige Rapporte.




Und zu guter letzt der Drell:

Die Kombination der beiden Köperbindunge K1/3 und K3/1 zeigt mehr Kette oder mehr Schuss. Er fällt also aus der Dräll-Familie heraus; der Name kann einen also etwas in die Irre führen.






Dräll ist also noch lange nicht gleich Dräll. Vielleicht inspiriert es ja zum Ausprobieren!

Montag, 9. April 2018

WeberTreff im Alten Haus in Heischeid - 24. und 25. März 2018

Zum ersten Mal fand das Treffen in der Handweberei im AltenHaus bei Jutta in Heischeid statt. Und wir hatten alle einen wunderschönen Tag - oder auch zwei Tage, denn einige von uns haben dort noch übernachtet! Der Frühling hatte sich endlich angemeldet und schickte uns wärmende Sonnenstrahlen, die es uns ermöglichten, ein wenig vor der Haustür auf der Bank zu sitzen. Marion hatte wunderschöne Handspindeln mitgebracht, die ihr Mann gemacht hatte, so waren wir gleich beschäftigt. Und auch die Papierbrettchen für das Brettchenweben kamen mal wieder zum Einsatz.


Am kleinen Glimakra Ideal war eine Kette für ein Stabdoppelgewebe eingezogen, und es gab erst einmal einen regen Austausch darüber, wie das denn wohl zu weben sei…


Mithilfe von Anleitungen in Webbuechern (manchmal schwierig zu verstehen), YouTube-Videos und Versuch und Irrtum haben wir es aber herausbekommen und auch eine vernünftige Beschreibung dazu gemacht. Leider konnte Ute nicht kommen. Das wäre perfekt gewesen, da sie erst vor kurzem einen Kurs zum Thema Stabdoppelgewebe im Haus der Handweberei in Sindelfingen besucht hat. Die gemeinsamen rauchenden Köpfe haben sich gelohnt. Hier die Zusammenfassung von Karo, in der Hoffnung, dass sie verständlicher ist, als alles andere was wir gefunden haben: Anleitung für ein Stabdoppelgewebe, WeberTreff NRW

Ganz besondere Ausdauer hatte Susanne, die ein Doppelgewebe auf dem Webrahmen mit zwei Gatterkämmen eingerichtet hat. Auch sie hat sich richtig durchgebissen, es hat funktioniert!

Unten links sieht man Jutta, wie sie letzte Hand an die Anschnürung der Beiderwandkette anlegt. Was sollen wir sagen, es hat funktioniert! Auch die Beiderwand ist ja eine Art Doppelgewebe, unser Thema an diesem Wochenende.

Matthias und Annemarie wollten es dann ganz genau wissen und haben sich noch einmal  gründlich mit der Probekette auf dem Klick auseinandergesetzt, wie man sehen kann auch unter dem Einsatz aller körperlichen Kräfte.


Insgesamt waren am Samstag 11 Weberinnen und ein Weber vor Ort, wobei auch wieder einige neue Gesichter zu sehen waren. Am Sonntag trafen sich die verbliebenen sechs noch zu Kaffee und Kuchen und webten noch ein wenig weiter.

Beim nächsten Treff steht der Dräll im Zentrum des Geschehens. Und Dräll ist noch lange nicht gleich Dräll. Wir sind also schon gespannt!
 

Samstag, 3. Februar 2018

Doppelgewebe - 28. Januar 2018

Wie immer wenn WeberInnen zusammenkommen, gab es einiges zu besprechen, befühlen, bedenken, zu "klicken", anzuschauen, und natürlich auch zu essen und zu genießen.


Und auch das ein oder andere Doppelgewebe kam auf den Tisch. Wenn die Fotografin etwas mehr auf Zack gewesen wäre, gäbe es hier auch noch mehr zu sehen. Aber immerhin :o)



Vor allen Dingen wurde besprochen, wie wir im März unseren ersten gemeinsamen Praxistag in Juttas Webstube in Heischeid gestalten wollen. Denn dann wollen wir dort auf einigen Webstühlen  vor Ort und auch auf mitgebrachten und fertig eingerichteten Webgeräten einiges rund ums Doppelgewebe bewegen. Starten werden wir am Samstag, den 24. März, und wer will bleibt bis Sonntag!

Daher durfte auch die Theorie nicht zu kurz kommen. Wie das bei der Theorie im Weben so ist, rauchten einige Köpfe  mehr und andere weniger. Hier nur ein kleiner Ausschnitt zum Thema "Wie konstruiere ich die Patrone zu einem gewünschten Doppelgewebe" am Beispiel einer Wolldecke in durchgehendem Köper K 2/2:




Und damit hier genug zur Theorie, denn Literatur zum Thema gibt es ja ausreichend. Wir sind gespannt, was wir das nächste Mal, nach unseren Praxistagen berichten können.