Samstag, 27. September 2014

Rosengang in allen Variationen

Nach langer Zeit waren wir am 21.09.2014 wieder einmal zu Besuch bei Gerda in Herne. In ihrer Werkstatt gingen wir dem Rosengang auf den Grund, in Theorie und Praxis. Aber seht selbst:



Und hier noch etwas Bindungslehre: Kennzeichnend für diese Gruppe von Bindungen ist der Spitzeinzug um einen Steigungspunkt verlängert, V-Punkt-Einzug: V.V.V.

1. Einfacher Rosengang
Über die Trittfolge kann frei gemustert werden. Schussgarn entspricht in der Stärke dem Kettgarn.






2. Rosengang mit Leinwandzwischenschuss
Auf einem Leinwandgrund werden mit oft stärkeren Musterschüssen Motive gestaltet.

Der dünnere Leinwandgrund rutscht zusammen und die Musterfäden, die eher längere Flottierungen aufweisen, legen sich auf den Grund auf. Die Schussdichte ist also nahezu doppelt so hoch wie die Kettdichte.

Hier werden gerne auch mehr als vier Schäfte genutzt. Die Anbindung gestaltet sich dann entsprechend dem gewünschten Motiv. Ein Beispiel über 8 Schäfte. Je mehr Schäfte zur Verfügung stehen, desto größer ist natürlich die Freiheit in der Motivgestaltung und auch die Größe des Motives; und evtl. die Länge der entstehenden Flottierungen.  





3. Rosengang mit Gegenschuss (fester Rosengang)
Diese Variante benötigt eine weite Kettstellung, damit das jeweils zusammengehörige „Schusspaar“ zusammenrutschen kann. Es entsteht ein sehr festes Gewebe, die Kette wird komplett abgedeckt. Am besten wird mit zwei verschiedenen Schüssen gearbeitet; Farb- oder Materialeffekt.Auch wird die Stärke von Kett- und Schussgarn ähnlich gewählt.

4. gebundener Rosengang
Auch diese Variante muss mit weiter Kettstellung gewebt werden.
Angebunden wird der jeweilige elementare Kett-Grundköper; hier also der K1/3.
Es entstehen nur 1er-Schussflottierungen, die sich nach einer Trittfolge gerade durch, hier also vier Schüsse, zu einer Linie zusammenschieben.
Die Farbfolge für den Schuss liest sich aus dem linken Bildteil von unten nach oben und von links nach rechts. Die Kette wird komplett abgedeckt.

5. Rosengang in Kettrichtung
Zusätzlich zu einem Leinwandgrund (hier Schäfte 1 und 2) werden Musterkettfäden im Rosengang eingezogen (3-4-5-6-3-6-5-4-3). In diesen Bereichen ist die Kettfadendicht also doppelt so hoch!

Rechts oben die Patrone und darunter das simulierte  Gewebebild. (In unseren Webbeispielen weiter unten: rechts unten)






6.  Ein Webbeispiel aus dem Webbuch von Erika Arnd:
Sie nennt es Rosengang in Kettrichtung, und zwar gegenbindig.

Da Gerda noch einen Rest Kette von einem Shadow Weave auf einem der Webstühle hatte, hat sie ihn kurzerhand neu eingezogen:



Im Einzug folgt auch jedem hellen Kettfaden der gegenbindige dunkle Kettfaden. Allerdings kann man diskutieren, was das nun noch mit Rosengang zu tun hat. Jedenfalls ist kein V. zu erkennen, weder im  Einzug noch in der Trittfolge. 



Mittwoch, 6. August 2014

Besuch in der Stockumer Wollwerkstatt

Dieses mal verschlug es uns in den "Hohen Norden", nach Voerde. Dort haben sich Geraldine, Sabine und Ute eine gemeinsame Wollwerkstatt eingerichtet, jede mit ihrem eigenen Schwerpunkt: Geraldine färbt Kammzüge mit Säurefarben, Sabine hat sich der Pflanzenfärberei verschrieben und Ute der Zucht von Jakobsschafen, Gotlandschafen, Spaelsauen und Alpakas.

Nach kurzer Begrüßung ging es gleich zur Sache: Ute demonstrierte an zwei  Jakobsschaflämmern das Scheren der Schafe. Beim Scheren sortiert sie gleich die Teile des Vlieses aus, welche sich nicht zum Spinnen verwenden lassen. Hier zwei Links zum Thema: Ein-Schaf-scheren und Video Schafschur. Während beim Schaf die Locken fielen, fragten wir Ute das ein oder andere Loch in den Bauch. So wissen wir jetzt zum Beispiel worauf zu achten ist, wenn Tiere zur Zucht ausgesucht werden. Vereinfacht gesagt sollen sie alle positiven Eigenschaften aufweisen, die man sich für die Herde wünscht. Tiere mit unerwünschten Eigenschaften wie instabilen Beinen, weichen Hufen, verformten Hörnern, ... kommen für die Zucht nicht in Frage.

Insgesamt 100 Schafe und seit unserem Besuch 10 Alpakas werden von Ute und ihrem Mann versorgt. Die beiden haben nämlich Nachwuchs bekommen, genau an diesem Nachmittag. Ute strahlte vor Glück: es ist ein Mädchen! In der letzten Zeit gab es wohl immer männlichen Nachwuchs und leider auch eine Totgeburt. Noch einmal herzlichen Glückwunsch an die beiden "Großeltern". Unten ein Blick auf Mutter und Kind. Martina hält übrigens den Vater an der Leine.


Zurück in der Werkstatt gab es wie immer eine kleine Stärkung, bevor Geraldine uns über ihren "Dawanda-Online-Shop" erzählt hat: wie funktioniert das Ganze, worauf muss man achten, wie sieht die rechtliche Seite aus, ... Vor ungefähr einem Jahr haben sie mit dem Shop begonnen und sind sehr zufrieden. Gute Qualität spricht sich eben rum!


Anschließend ging es dann, wie sollte es auch anders sein, an die Spinnräder. Einige von uns hatten ihre Räder mitgebracht, für alle anderen standen vor Ort Spinnräder zur Verfügung. Gekonnt gingen Geraldine und Ute auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ein: dickes Garn spinnen statt eines dünnen Fadens (warum das Garn nur immer wieder so dünn werden will?!), langen Auszug spinnen (Ute: alles eine Sache des Loslassens), wie geht das überhaupt mit dem Spinnen (für Spinnneulinge), ...
Mantra des Tages war: hinten zieht aus, vorne kontrolliert - leichter gesagt als getan.

Nachdem uns Geraldine einen Faser-Überblick gegeben hatte, griff sie beherzt in ihre Vorräte und kurbelte kurzerhand ein Batt zusammen, mit dem sie uns anschließend die Technik des Corespinning demonstrierte.
Hier der Link zu einem Video von Flinkhands: Corespinning.


Eigentlich standen auf unserem Stundenplan ja noch Vlieskunde und Spinnen direkt aus dem Vlies. Da wir uns jedoch gleich ins Spinnvergnügen gestürzt haben, können wir nur sagen: Satz mit "X"? Das war wohl nix!
Vielleicht beim nächsten mal. Es war ein schöner Tag bei wunderbarem Wetter.

Für Interessierte: im September gibt es in der Wollwerkstatt einen Art Yarn Kurs mit Claudia Wagner !

Sonntag, 13. Juli 2014

Der Drache spinnt!

Wie bereits in den letzten beiden Jahren trafen sich allerlei Faser-Verrückte auf dem Hilshof in Winternam zum Drachenfest. Wir als WeberTreff waren in diesem Jahr das erste Mal auch dabei!
Untergebracht in einem Teil der Scheune, welcher auch als Stall genutzt wird, mussten wir uns erst etwas an den ländlichen Duft gewöhnen, waren jedoch bei dem wechselhaften Wetter froh ein festes Dach über dem Kopf zu haben.


Trotz des nassen Segens von oben war das Fest gut besucht und auch in unserer "Webstube" war so einiges los: Groß und Klein konnten sich am Musterwebstuhl Klick ausprobieren und erste Erfahrungen mit einem Schaftwebstuhl machen, ein wenig verstehen wie das eigentlich funktioniert, das Weben.
An Nagelbrettrahmen wurden mit Teppichlunte von Ingrid Frank Topfuntersetzer und Sitzkissen in Diagonal- oder Paralleltechnik  gewebt. Anschließend konnten sich unsere Gäste nach vollbrachtem Werk auf einem großen AutogrammPlakat  mit einem Gruß verewigen.



Nach dem Wollmarkt in Kuchenheim 2012 war dies nach langer Zeit mal wieder eine gemeinsame Aktion, bei der wir uns als WeberTreff nach außen dargestellt haben. 

Der erste Tag war ziemlich stressig! Obwohl wir schon am Freitag  den Stand zu dritt grob vorbereitet hatten, war am Samstag doch noch einiges zu räumen und an Ort und Stelle zu rücken. Als Vorführaktion haben wir sogar am Stand den Webstuhl David komplett eingerichtet, vom Aufbäumen bis hin zum Weben. Ein Aufwand, der viel zu groß war; aber hinterher ist man immer schlauer. Am Sonntag hatten wir uns dann gut eingerichtet (weniger ist mehr) und jede Menge Spaß mit unseren Gästen!

Zu guter letzt noch für alle, die Interesse an dem Gewebe auf unserem David hatten/haben, die Patrone:
Kommentar eines Besuchers: " Ich glaube, ich habe noch Restalkohol, das ist ja ganz schön schräg!"


Und zu allerletzt noch ein paar Links zu anderen Berichten über das Drachenfest 2014:
Stockumer Wollerkstattcreative weavingHilshof

Und, sehen wir uns dort, in zwei Jahren, wenn der Drache wieder spinnt und webt?!

Sonntag, 6. Juli 2014

Zeitreise

Am 21. Juni unternahmen wir eine Reise in die Geschichte einer ganz speziellen Weberei, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist. In Wülfrath liegt etwas versteckt in traumhafter Landschaft die Band- und Docht-Weberei der Familie Meckenstock. Hier lebt im Wohnhaus auf dem Gelände Hannelene Meckenstock. Ihr Großvater baute die Weberei auf, die schon um 1865 in Betrieb genommen wurde.

Produziert wurden Lampendochten aller Art, Glühstrümpfe für Petroleumkühlschränke (wir sagen nur 50.000 Glühstrümpfe für Kuba), Wischmops, Polierbürsten, Schmierkissen für Dampflokomotiven und Waggons, für „Hunte“ im Bergbau und weitere ganz unterschiedliche in der damaligen Zeit innovativen Produkte. So wurde z.B. für einen Staubsaugerhersteller ein Polieraufsatz für die Bodensaugbürste entwickelt.


In Spitzenzeiten gab es in der Produktion bis zu 20 Mitarbeiter/innen, und die Produkte wurden in die ganze Welt verschickt. Frau Meckenstock kann so vieles erzählen. Alte Auftragsbücher und unzählige Unterlagen finden sich noch im "Kontor", alte Produktmuster, alte Stühle, viel Material, alte Nähmaschinen und und und.... . Wir konnten nur staunen und eintauchen in vergangene Zeiten. Die ganze Weberei steht unter Denkmalschutz.

Einige Maschinen sind noch in Betrieb, zwei mechanisierte Webstühle mit Lochkarten- und Nockensteuerung, Spulmaschinen für Kopse, Schuss- und Kettspulen. Aktuell werden Dochte und vor allen Dingen Schmierkissen für Dampflokomotiven hergestellt. Wer z.B. mit dem Rasenden Roland auf Rügen oder der Schmalspurbahn im Harz unterwegs ist, kann gewiss sein, dass die Achsen der Dampflokomotiven mit Hilfe von Schmierkissen aus Wülfrath gut geölt werden.


Durch einen Artikel in der „Adventszeit 2014“, einer Zeitung des Erzbistums Kölns, entdeckten Matthias und Sabine die Weberei, von der sie vorher noch nichts gehört hatten. Da es Winterzeit war, und die Weberei auch heute noch nur mit zwei Kohleöfen geheizt wird, wurde ein erster Besuch für das kommende Frühjahr vereinbart. Seither geht Matthias bei Frau Meckenstock „in die Lehre“. Hier einige Eindrücke vom Vorbereiten der Kettspulen und der Schusskopse:


So einige Webstuhl-Schätzchen möchte Frau Meckenstock noch mit Hilfe von Matthias wiederbeleben. Zusätzliche Unterstützung gibt es auch von anderen Seiten, z.Bsp. durch das Bandwebermuseum in Wuppertal. Dort ist aktuell eine Ausstellung über die Geschichte der Bandweberei Meckenstock zu sehen: „Heimliche Helfer - Schmaltextilien der besonderen Art“. Zum Abschluss gab es Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer. Auch dort erzählen viele Einrichtungsgegenstände alte Geschichten. Vielen Dank an Frau Meckenstock und Matthias für diese Zeitreise an einem wunderbaren Samstagnachmittag!


Montag, 16. Juni 2014

Ketten färben - 01. Juni 2014

Dieses Mal haben wir uns bei Marion in Neunkirchen-Seelscheid getroffen. In ihrem Freiluft-Sommer-Küchen-Wohnzimmer hatten wir traumhafte Bedingungen für unsere Färbeaktion, sogar das Wetter spielte mit. Bunt ging es her! Aber seht selbst:


Zunächst einmal führte uns Sabine ausführlich in das Thema ein und stellte die verschiedenen Möglichkeiten vor. Daraufhin wurde die ein oder andere Kette noch einmal besser gesichert, damit beim Färben auch wirklich nichts durcheinander geraten konnte. Und dann ging es los, es wurde gerührt und gemixt, um die gewünschten Farben zu erzielen. Bei der Überfärbung schon bunter Fasern war es natürlich besonders spannend, wie es wohl werden würde.

Kleinere Ketten wurden gezielt "bemalt" und gingen anschließend in die Mikrowelle. Größere Ketten durften zum Tauchbad in den Färbetopf. Es gab so manchen kritischen Blick in den Topf hinein. Mit den zum Schluss übrigen Farbresten gab es dann noch eine Sockenwolle-Überraschungsfärbung.


Bis auf ein kleines Missgeschick bei einer Baumwollfärbung ging alles gut, und wir mit zufriedenen Gesichtern nach Hause!