Inzwischen schon Tradition sind im Januar die Webarbeiten zum letzten Jahresprojekt. Im März letzten Jahres haben wir uns mit der Theorie hinter dem Deflected Double Weave beschäftigt und auf das Thema eingestimmt (klick!).
Und es gab reichlich zu sehen und zu befühlen. Die farbliche Gestaltung eines Gewebes ist ja immer nur ein Aspekt, ob man ein Gewebe als gelungen betrachtet oder nicht. Gerade die Haptik und der Fall haben großen Anteil am Gefallen oder Nichtgefallen. Wer will schon gerne ein "Brett" als Schal um den Hals tragen, da können einem die Farben noch so sehr zusagen.
Sogar zwei "Besucherinnen" aus Hannover und Celle hatten sich auf den Weg zu uns gemacht und die Reise mit einem Kultur-Wochenende im Raum Wuppertal-Düsseldorf verbunden.
Aber nun zu den mitgebrachten Arbeiten. Auch auf einem Webrahmen kann man Gewebe in Deflected Double Weave herstellen. Allerdings braucht es dazu mehr als einen Gatterkamm. In der Mitte ein Beispiel mit 3 Gatterkämmen gewebt. Rechts und links sind zwei Beispiele zu sehen, die mit 2 Gatterkämmen gewebt wurden. Hier wurde eine Anleitung von Erica de Ruiter - ursprünglich für ein Gewebe auf 3 Schäften konzipiert - für den Webrahmen "umgeschrieben". Rechts und links wurde dieselbe Patrone verwendet, jedoch unterschiedliche Materialien verwendet, und schon hat man zwei vollkommen unterschiedliche Gewebe:
Deflected Double Weave ist ja eine Bindung, die davon lebt, dass viel Bewegung im Gewebe möglich ist. Daher hat die Auswahl der verwendeten Garne, die Kombination der Faserarten, die verwendeten Kettfaden- und Schussfadendichten und vor allen Dingen auch die Nachbehandlung großen Einfluss auf das jeweils fertige Gewebe. Das trifft natürlich letztendlich auf alle Gewebe zu. Aber da hier die Bindung, wie gesagt, auf Bewegung angelegt ist, sind die Auswirkungen einfach weitreichender und vor allen Dingen auch gewollt!
Hier zwei Beispiele aus einem Kurs in Kukate (klick!). Die Proben links wurden in der Waschmaschine, ohne Rücksicht auf Verluste😉, weitmöglichst verfilzt und gewalkt. Ziel war es, einen festen Walkstoff für einen Mantel oder eine Jacke zu erhalten. Die Proben auf der rechten Seite wurden wesentlich leichter angefilzt. Tja, schade, dass man die Bilder nicht fühlen kann:
Hier ein paar Beispiele mit "klassischen" Mustern:
Und hier noch weitere. In beiden Zusammenstellungen sind sowohl Beispiele mit zwei Farben als auch mit drei Farben zu sehen. Drei Farben im Schuss bedeutet zwangsläufig arbeiten mit drei Schützen.
Wechseln sich die beiden Farben im Schuss schön regelmäßig ab, so ist die Randgestaltung eigentlich kein Problem. Der Schütze mit der Farbe, welche nicht bis zum Rand durchgewebt wird (im folgenden Video also der weiße Schussfaden), wird immer abgetaucht wenn er in der Schusspartie der anderen Farbe (hier schwarz) nicht oben zu sehen ist. Also wenn die Farbe/der Schuss, welche bis zum Rand durchgewebt wird (hier schwarz) über die erste andersfarbige Kettpartie (hier weiß) komplett flottiert.
Bindet der Schuss, welcher nicht zum Rand durchgewebt wird (hier weiß) in seiner ersten Kettpartie leinwandmäßig ab oder zeigt diese erste Kettpartie reine Kettflottierungen, so bleibt dieser Schütze auf dem Gewebe. Ich hoffe, es einigermaßen zu verstehen. Das Video von Elisabeth Hill ist ja auf Englisch, aber die Bilder sprechen für sich:
Im folgenden Video zeigt Natalie Drummond wie sie den Rand mit drei Schützen gestaltet:
Das kann man mögen, oder auch nicht. Je nachdem, in welchen Abständen die jeweilige Schussfarbe eingesetzt wird, gibt mehr oder weniger lange Kettflottierungen am Rand. Links ein Beispiel mit zwei Farben im Gewebe. Rechts ein Gewebe mit drei Farben, der Rand wurde wie im Video von Natalie Drummond gewebt. Dadurch entsteht ein "doppelter Rand", man kann gut die langen Kettflottierungen sehen. In der Mitte wurde der orangene Schuss am Rand hochgeführt.
Hier ein Video zum Hochführen des Schussfadens:
Dann gab es noch zwei Schals zu sehen, inspiriert durch "School of Weaving" von Jane Stafford (klick!) Leider waren die Farben schwierig einzufangen. Beide Schals sind in der Längsrichtung zweigeteilt, was optisch einen schönen Effekt ergeben hat:
Aus Bremerhafen zwei Beispiele, welche mit derselben Patrone gearbeitet haben. Links oben das Gewebe in Baumwolle 8/2, schwarz nicht mercerisiert und türkis mercerisiert. Allein dieser Unterschied bewirkt, dass sich die Materialien in der Nachbehandlung leicht unterschiedlich verhalten haben. Das mercerisierte Garn geht weniger zusammen als das unmercerisierte. Das große Tuch beeindruckt durch sein Farbspiel und den weichen Fall. Hier wurden bunte Seidenfäden mit gefachter schwarzer Wolle kombiniert.
Zu guter letzt noch einige Beispiele mit etwas strengerem, geometrischen Charakter. Links Trockentücher in Cottolin, in der Mitte und rechts oben Schultertücher in Alpaka, rechts unten ein zarter Hauch in sehr feiner Baumwolle!
Alles kann hier nicht gezeigt werden, aber einen Eindruck von dem bunten Reigen habt ihr jetzt bestimmt. Das diesjährige Jahresthema ist diesesmal nicht bindungsbezogen. Unser Thema 2026 ist "Wald!" Wir sind jetzt schon gespannt, was uns dazu alles einfallen wird!










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