Mittwoch, 21. Juni 2023
Wollmarkt in Euskirchen - 04. Juni 2023
Dienstag, 23. Mai 2023
Rund um den Webrahmen - 26. März 2023
Eine vollkommen neue Welt tat sich uns bei letzten WeberTreff auf, das Weben mit dem Webrahmen, und insbesondere die Verwendung mehrer Gatterkämme. Gerda hatte einige Webrahmen vorbereitet und versuchte uns die unterschiedlichen Webabläufe zu erläutern. Das Wort "versuchte" deutet schon darauf hin, dass ein kurzer Blick darauf nicht genügt. Es braucht intensive Beschäftigung, um sich in die Systematiken einzudenken und diese am Webrahmen umzusetzen.
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| Summer and Winter auf dem Webrahmen mit zwei Gatterkämmen |
Hier Gerdas Gedanken zum Weben auf dem Webrahmen:
Vorstellung des Webens mit einem Webrahmen
Als ich vor fast 40 Jahren wieder mit dem Weben anfing, standen mir mein 40 cm breiter Kircher-Schulwebrahmen, ein 80 cm breiter Kircher-Webrahmen mit Schäften und Untergestell und ein 100 cm breiter Werbrahmen ohne Namen zur Verfügung.
Die Lehre und die Gesellenjahre waren lange vorbei. In einer Weberlehre lernt man zwar einen Webstuhl einzurichten, aber nicht so etwas "Simples" wie einen Webrahmen. So stand ich da und hatte keine Ahnung wie ich vorgehen musste, um eine Kette herzustellen und auf einen Webrahmen zu bringen, und vor allem ohne die richtigen Hilfsmittel zu haben.
Webrahmen gibt es in den verschiedensten Größen und Breiten, mit und ohne Standbeine. Ein Webrahmen ist schnell eingerichtet. Meistens ist auch so, dass es maximal zwei längere Webstücke sind, die mit einer Kette abgearbeitet werden können, weil der "Kettbaum" nicht unendlich viel Kette aufnehmen kann. Große Webarbeiten sind auch möglich mit individuellerer Musterung als am Webstuhl, indem mehrere Bahnen seitlich aneinander genäht werden.
Darüber hinaus gibt es einige Möglichkeiten komplexere Muster zu weben als man denkt. In der Literatur sind mir folgende Quellen bekannt:
In der Zeitschrift "Webe mit" gab es in den 1980er und 1990er Jahren mehrere Artikel von Frau Dr. Ute Mothes über das Weben mit zwei Gatterkämmen. (Bei Interesse bitte per Mail anfragen.)
"Kleidung weben auf dem Webrahmen" von Annerose Wald (Ravensburger Buchverlag)
"The Weaver's Idea Book - Creative Cloth on a Rigid Heddle Loom" von Jane Patrick (Englisch)
"Weben - das Standardwerk für den Gatterkamm-Webrahmen" von Syne Mitchell (Topp Verlag)
"Rigid Heddle Weaving Basics and Beyond" (Ahford, Englisch)
"Ashford book of rigid heddle weaving" (Ashford, Englisch)
"Ashford Book of Projects - Volume 1 - Fashion" (Ashford, Englisch)
In älteren Webmagazinen aus den USA gibt es auch etliche Beiträge zu diesem Thema, wo zum Teil sogar drei oder vier Gatterkämme hintereinander gesetzt sind.
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| auch ein Doppelgewebe ist auf einem Webrahmen mit zwei Gatterkämmen möglich |
Gründe mit einem Webrahmen zu arbeiten
- Ein Webrahmen ist leicht einzurichten
- leicht zu transportieren
- leise beim Weben
- mit Zusatzteilen vielseitig nutzbar
- bei Bedarf schnell und leicht wegzuräumen
- für Probestücke ist der Webrahmen schnell webbereit
- außerdem kann man ihn auch auf Reisen leichter mitnehmen als einen Webstuhl
Maliz ist eine begeisterte und inspirierende Weberin, die durchaus neue Wege geht und findet beim Weben, auch mit dem Webrahmen
Sonntag, 5. Februar 2023
Jahresprojekt 2022 - 29. Januar 2023
Die Fischkugel im Teich hatte es ihr angetan. Sie wollte Fische in verschiedene Richtung schwimmend und leicht im Schuppenkleid variierend weben. Das ist ihr sehr gut gelungen. Die Anregung hat sie in den Weiten des Internets gefunden. Auszuklamüsern wie diese umzusetzen ist, war die erste Herausforderung. Das eigentliche Weben dann die zweite. Insgesamt 24 Musterbrettchen und jeweils 8 Randkarten waren im Einsatz! Und wenn dann alles fertig eingerichtet ist, und es endlich losgehen kann mit dem Weben,.... dann ist für Mechthild der Spaß vorbei. Ihre größte Freude ist das Verstehen und Vorbereiten, bis hin zu dem Punkt wo alles funktioniert! So unterschiedlich sind die Web-Freuden😉.
Ihr zweiter Beitrag war die Umsetzung einer gelben Rose, welche sie sehr gerne mag. So kann sie nicht verblühen und wird sie auf manchen Einkäufen begleiten. In eine schwarze Kette hat sie gelben Schuss eingetragen und 40 Musterschäfte im Einsatz gehabt. Beide Arbeiten kann man auch als "slow weaving" betrachten. Wie gut, dass wir nicht schnell weben und fertig werden müssen, sondern dass uns das Weben lange Freude bereiten kann. Es kommt auch hier einmal wieder auf die Einstellung an: viel Arbeit oder viel Freude, es liegt an meiner Haltung dazu.
Auch viel Freude hatte Gerda mit ihren kleinen Bildwebereien. Ihr Inspirationen fand sie auf Spaziergängen in der Westruper Heide bei Haltern:
Hier die letzte bildhafte Umsetzung einer Inspiration. Das ganze Jahr über habe ich hin und her überlegt, wie ich das Bild der Wildrose umsetzen kann und möchte. Da waren vier Farben im Spiel: Grün für den Hintergrund, Rosa, Weiß und Gelb für die Wildrose. Wie ich es drehte und wendete, es fehlten mir einfach Schäfte und Tritte für die Umsetzung. Das Jahr neigte sich dem Ende zu, und es schien fast so, als ob ich, die ich ja das Projekt angestoßen hatte, keinen Beitrag dazu finden würde (der mich zufrieden gemacht hätte).
Für das neue Programm in 2023 hatte Gerda die „Moorman-Technik“ als Thema vorgeschlagen. Vielleicht könnte das ja ein Weg sein. Bei der Recherche zur Moorman-Technik bin ich dann auf die Seite von Laura Foster Nicholson und ihren Blogbeitrag "Color and Weaving in My Work" gestoßen. Sofort war mir klar, dass ich damit meine Idee umsetzen konnte, und das mit nur 3 Schäften und 6 Tritten. Auf einem 3-bindigen Kettköper als Grundgewebe trägt sie manuell und partiell einen „zusätzlichen“ Musterschuss in 3-bindigem Schussköper ein. Die durchgehenden Schüsse für das Grundgewebe trägt sie mit einem Schützen ein, die zusätzlichen Musterfäden werden wie beim Bildweben zu Puscheln gewickelt und können so genau dort in das Gewebe ein- und wieder hinausgeführt werden, wo es gewünscht wird. Dabei ist ihre Vorgehensweise wie folgt:
· Sie hebt Schaft 1 und legt, dort wo sie möchte, den Musterfaden ein (Schussköper)
· Sie hebt Schaft 1 und 2 und schießt den Grundschuss ein (Kettköper)
· Sie hebt Schaft 2 und legt, dort wo sie möchte, den Musterfaden ein (Schussköper)
· Sie hebt Schaft 2 und 3 und schießt den Grundschuss ein (Kettköper)
· Sie hebt Schaft 3 und legt, dort wo sie möchte, den Musterfaden ein (Schussköper)
· Sie hebt Schaft 3 und 1 und schießt den Grundschuss ein (Kettköper)
Die Grundschüsse schieben sich unter die Musterfäden, bzw. die Musterfäden schieben sich auf die Grundschüsse. Und damit ist sie absolut frei in der bildlichen Gestaltung des Gewebes. Anders als bei der Moorman-Technik, bei der 5-er Schussflottierungen entstehen, entstehen bei Lauras Technik 2-er Schussflottierungen. Dadurch sind die „Wendestellen“ anschmiegsamer. Und hier meine ersten Umsetzungen der Technik. Wie ihr sehen könnt gibt es ein Original (die Wildrose) und weitere dadurch inspirierte Phantasieblumen. Die kleinen Kreise habe ich noch auf dem Webstuhl nachträglich „eingestickt“. Auch das ist mit dieser Technik möglich! Auf dem Webstuhl lag das Ganze um 90° gedreht.
Zu guter Letzt Marions Beitrag zum Jahresprojekt. Sie scheint mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattet zu sein, hat sie doch schon vor Ausrufung des Themas voll ins "Schwarze" getroffen. Kurzerhand hat sie ihre Schafe mitgebracht, gewebt in Taqueté mit Hilfe von Nagelschäften (siehe Beitrag 09.2022). Na ja, so kann man es auch machen 😏. Aber auch hier sind wir großzügig:
Kirsten war zum ersten mal beim WeberTreff dabei. Mit dabei hatte sie ein Schultertuch im selbst entworfenen Schottenkaro. Am nächsten Tag sollte es als Geschenk abgeholt werden und musste noch mit Fransen versehen und auch noch nachbehandelt werden. Sie hat das Tuch nicht als Beitrag zum Jahresprojekt gewebt. Aber wenn das mal nicht durch eine schottische Heidelandschaft inspiriert worden ist 😉:
So waren es dann zehn Beiträge zu unserem Jahresprojekt. Und das nächste Thema wurde auch schon gefunden: Dräll, Dräll, Dräll und Drell! Wer mehr dazu wissen möchte, in 2018 war "Dräll ist nicht gleich Dräll" schon einmal Thema im WeberTreff: klick!
Zu allerletzt noch einige Eindrücke vom Treff selber. Neben regem Austausch gab es natürlich wie immer Schmausen am gemeinsamen Buffet:
Und zu allerallerletzt, versprochen, hier noch zwei Zusammenstellungen von den mitgebrachten Schiffchen, Schützen & Co:
Freitag, 25. November 2022
Dies und das - 20. November 2022
Eigentlich wollten wir uns erst am 27. November treffen, und eigentlich sollte das Thema "Rund um den Webrahmen" sein. Manchmal kommt dann doch alles anders. Dass wir den 1. Advent aus unseren Terminplanungen immer heraushalten wollen, hatten wir wohl bei der Planung schlichtweg übersehen. Bzw. war kein Augenmerk darauf, dass der 27. schon der 1. Advent ist. So haben wir uns schon eine Woche früher getroffen und das Thema auf das kommende Jahr verschoben.
Spontanes Thema wurde "Dies und das"! Und es war eine ausgesprochen gemütliche und nette Runde. Jede hatte etwas mitgebracht und das Programm für das kommende Jahr wurde auch schon besprochen. Hier nun dies und das:
Kathrin hat an einem Online-Kurs "Farbe & Struktur" bei Antje Vajen teilgenommen und mehrere Schals mitgebracht:
Agnes hatte weihnachtliche Badetücher dabei und sich an den Stubenitzy-Kreisen ausprobiert:
Marion berichtete von einem Kurs beim diesjährigen Treffen der Handspinngilde, "Peruanisch Weben" mit Katharina Vollmerhaus, und hatte auch einen "Darning loom" oder auch "Speedweve" dabei. Ein kleines Utensil zum Flicken von dies und das. Der Darning Loom ist keine neue Erfindung. Gerda hatte dieses Hilfsmittel schon einmal mit; es gehörte ihrer Mutter, und Gerda hatte lange herumgerätselt was es wohl sein könne, bis sie zufällig auf des Rätsel Lösung stieß. Agnes war so begeistert, dass sie gleich zur Nadel griff und den Socken zu Ende stopfte:
Barbara hatte einige Handtücher in Variationen von Blau mitgebracht. Die Kette war aus Cottolin, geschossen hat sie mit unterschiedlichen Materialien, unter anderem mit Tencel. Leider kann man online nicht fühlen, wie unterschiedlich die Gewebe im Griff waren:
Gerda hatte so allerlei dabei: kleine Bändchen, Taschen aus Resten, Schmuck aus kleinen Bildgeweben und ein Auge Gottes. Hier ein paar Links zum Auge Gottes:
Miniworkshop von Lilalu Ojo de Dios - Green Bird Es geht auch komplexer!
Auch dabei hatte sie vier Waschlappen nach Syne Mitchell, gewebt mit unterschiedlichen Materialien für die Schlingen (siehe Beitrag Pibiones/Perlweben):
Im September hatten wir uns mit Taqueté beschäftigt, unter anderem mit dem freien Gestalten von Musterungen mit Hilfe von Nagelschäften. Das System von Hermann Wendlinger hatte ja auf Gerdas Webstuhl nicht funktioniert. Funktioniert hat dann der Umbau auf das System von Gisela von Weisz.
Die beiden Schäfte für die Grundbindung werden nach hinten auf die Schäfte 3 und 4 gelegt. Davor werden die beiden Nagelschäfte platziert um so besser das Wechseln zwischen den beiden Schäften zu bewerkstelligen.
Beim Taqueté bilden jeweils 2 Bindekettfäden (beim Nagelschaftweben hier auf den Schäften 3 und 4) und 2 Musterkettfäden (bei Nagelschaftweben hier auf den Schäten 1 oder 2) eine kleinste Einheit von immer 4 Kettfäden (hier verdeutlicht durch die grünen Senkrechten). Die beiden Musterkettfäden einer kleinsten Einheit hat Gerda zusammen mit einem Gewicht (4 Unterlegscheiben von zusammen ca. 25 g) nach unten abgehangen. Der Nagelschaft besteht ja nur aus der oberen Schaftleiste. Mit Hilfe einer ausreichend dicken Perle wird das Litzenpaar entweder auf dem Nagelschaft1 oder dem Nagelschaft2 eingehangen. Da, wo die Musterkettfäden beim Schusseintrag gesenkt werden, flottiert der Schuss auf der Gewebeoberseite. Bei Tritt 1 und Tritt 3 werden die Litzen auf Nagelschaft 2 gesenkt, dort flottiert also der rosa Schussfaden auf der Gewebeoberseite. Bei Tritt 2 und Tritt 4 werden die Litzen auf Nagelschaft 1 gesenkt, dort flottiert also der dunkle Schussfaden auf der Gewebeoberseite:
Jetzt bleibt uns nur noch, allen eine ruhige Adventzeit zu wünschen! Im neuen Jahr geht es dann weiter mit dem Vorstellen der Arbeiten zum Thema "Inspiriert durch die Natur" und "Schiffchen, Schützen und mehr - wie kommt der Schuss in die Kette"!
| Marion S. / pixelio.de |
Montag, 3. Oktober 2022
Taqueté - 25. September 2022
Surft man in der weiten Welt des Internets, so findet man immer wieder Gewebebeispiele in "turned taqueté", d.h. Einzug und Trittfolge des ursprünglichen Taquetés wurden vertauscht/gedreht. Dass dies gute Gründe hat wird später ersichtlich.
Weitere Namen für Taqueté sind: schussverstärkte Leinwandbindung, weft-backed weave oder double weft weave (Warp and Weft - Eriksson, Gustavsson, Lovallius), weft-faced compound tabby (Pattern and Loom - John Becker). Aha, Taqueté hat also zu tun mit Leinwandbindung und der Schuss spielt wohl auch eine Rolle!
Beim Taqueté handelt es sich um eine Bindung mit sehr hoher Schussdichte, die z.B. sehr gut geeignet ist für Teppichgewebe. Es werden zumeist zwei Schussfarben verwendet, so dass die beiden Gewebeseiten zueinander wie Tag und Nacht sind. Die beiden Seiten zeigen Muster, die positiv und negativ zueinander sind. Das Wort "Muster" weist schon darauf hin, dass es sich um Partiengewebe handeln kann, bzw. um "eingelesene" Muster. Fangen wir erst einmal mit einer Partie an, um zu verstehen, wie Taqueté grundsätzlich funktioniert. Die Kette besteht aus zwei Kettsystemen mit jeweils unterschiedlicher Funktion:
System 1, die Bindekette, die auf den Schäften 1 und 2 eingezogen wird (hellgrau)
Würde man nur die Bindekette einziehen (Kettfäden 41 bis 50) und die
Tritte 1 und 3 abwechselnd treten, so ergäbe sich eine reine
Leinwandbindung.
System 2, die Musterkette, die auf Schaft 3 eingezogen wird (dunkelgrau)
Die Kettfäden der Musterkette bestimmen nun, welche der beiden Schussfarben auf der Gewebeoberseite und welche auf der Gewebeunterseite flottieren. Ist der Schaft gesenkt, so flottiert der Schuss auf der Gewebeoberseite, ist der Schaft gehoben, so flottiert der eingetragene Schuss auf der Gewebeunterseite.
Schuss 1: Schaft 3 ist gehoben, der dunkle Schuss (Musterschuss 1) flottiert also auf der Gewebeunterseite
Schuss 2: Schaft 3 ist gesenkt, der helle Schuss (Musterschuss 2) flottiert also auf der Gewebeoberseite
Beide Musterschüsse werden durch die Bindekettfäden auf Schaft 2 angebunden.
Schuss 3: Schaft 3 ist gehoben, der dunkle Musterschuss flottiert wieder auf der Gewebeunterseite
Schuss 4: Schaft 3 ist gesenkt, der helle Musterschuss flottiert wieder auf der Gewebeoberseite
Beide Musterschüsse werden jetzt durch die Bindekettfäden auf Schaft 1 angebunden.
- die Kettdichte war viel zu hoch
- der Schuss zu dünn
- und zu wenig voluminös
Schade, dass Marion nicht beim Treff dabei sein konnte. Sie hatte sich nämlich schon einmal mit Taquetégeweben auseinandergesetzt, welche mit Hilfe sogenannter Nagelschäfte gewebt werden. Dazu hat Hermann Wendlinger aus Wangen im Allgäu ein Buch veröffentlicht. Hier geht es zur Seite des KUHAtex-Verein e.V., in dem sich der Handwebermeister engagiert:
Leider ist die Seite sehr unübersichtlich, es braucht Geduld sich dort durchzuarbeiten. Man kann dort auch einen Kurs zum Thema besuchen.
Und hier die Links zu zwei Videos zum Nagelschaftweben:
Nagelschaftweben 01
Nagelschaftweben 02
Mit dieser Technik können Muster frei eingelesen und gewebt werden. Gerdas Versuche die Nagelschäfte auf einem ihrer Webstühle ans Laufen zu bringen, waren bislang leider nicht von Erfolg gekrönt. Aber Marion hatte ihr die von ihr gewebten Muster mitgegeben:
Das wäre es an dieser Stelle mit dem "echten Taqueté" und wir drehen das Ganze um 90°, die Trittfolge wird zum Einzug und der Einzug zur Trittfolge - im Englischen "turned taqueté" genannt. Links der "echte Taqueté", und rechts "turned taqueté":
Turned Taqueté wird oft genutzt um Farbmischungen zu gestalten:
Zu guter Letzt noch einige Hinweise und Links zum Thema:
Zwei Artikel in Ornamente-Ausgaben: 05/90 und 05/94
Shaftswitching for Taqueté auf handwovenmagazine.com
Freier Download von einem Artikel von Gisela von Weisz, natürlich mal wieder auf Englisch
Taqueté auf Eva Stossel's Blog
Taqueté bei Maliz auf strick17.blogspot.com
Bericht über die Webmesse 2022 in Schweden bei Maliz
Lustigerweise findet man in Maliz's Bericht über den Besuch der Webmesse 2022 in Halmstadt/Schweden unter anderem auch Fotos von einer Schaftwechseleinrichtung von Nina Floderus. Das Thema scheint wohl in zu sein. Auch Gisela von Weisz (siehe Link zum handwovenmagazine) hat dazu ein Buch geschrieben: Skavtväxling, auf Schwedisch!
Die Technik des Schaftwechselns ist übrigens schon älter. Peter Collingwood, ein britischer Weber mit dem Schwerpunkt Teppichweberei hat das "Shaftswitching" entwickelt.
Von Summer and Winter zu Taqueté auf weavezine.com
Ein Sampler über 8 Schäfte mit 6 Kettpartien, und ihr ahnt es schon, mit reichlich Tritten
Also etwas für Computersteuerung, Handhebel-Webstuhl oder Klick
Leider funktioniert der Download des wif-Files nicht
Pattern and Loom von John Becker zum Download
Taqueté ab Seite 81
Wie immer viel Vergnügen beim Ausprobieren!
Freitag, 5. August 2022
Pibiones - oder auch Perlweben, Noppenweben, Schlingenflor, Boutonné ....... 31. Juli 2022
Die einen lieben diese Technik, die anderen würden es nie im Leben freiwillig weben. Sie ist zugegebenermaßen zeitaufwändig und erfordert einiges feinmotorisches Geschick, dafür belohnt sie mit einer freien Gestaltung der Gewebefläche, unabhängig von der Schaftzahl.
Gerda gab uns zunächst eine kleine Einführung in das Thema:
"Perlweben, Noppenweben, Schlingenflor, Boutonné oder Pibiones, das sind die Bezeichnungen für ein und dieselbe Technik in verschiedenen Sprachen - Deutsch, Französich, Sardinisch - mit der über Jahrtausende hinweg Textilien geschmückt wurden. Wie Sara Bixler in dem Artikel in der "Handwoven, 09/10 2015" ausführt, wurden schon 2000 vor Christus in Ägypten Textilien in Leinwandbindung mit dieser Technik geschmückt.
In meiner Lehrzeit (ewig her) habe ich diese Technik von meiner Meisterin gelehrt bekommen, jedoch mit dem Hinweis, dass diese in der Werkstatt nicht gebraucht werden konnte, aber ich sollte es trotzdem lernen, genau wie das Teppichknüpfen. Leider existiert meine Arbeit von damals nicht mehr.
In manchen Museen sind wohl noch einige wenige Textilien mit dieser Art der Musterung erhalten, aber sie liegen dort sicher irgendwo in einem Depot. Es sind vorwiegend Kissen, Decken und auch Satteldecken; aber es wurden auch Röcke damit verziert."
Aber auch durchaus feinere Gewebe wurden mit dieser Technick gestaltet. Hier das wunderbare Beispiel einer Kinderjacke und -mütze, gewebt mit Muschelseide: https://muschelseide.ch/kinderjaeckchen-1/
Bei ihren Recherchen zum Thema ist sie neben der Handwoven in insgesamt 5 Büchern fündig geworden:
- Ursula Kirchen, Schöpferisches Weben
- Laila Lundell, Das große Webbuch
- Clara Craeger, Weben - Ein schöpferisches Kunsthandwerk
- Syne Mitchell, Weben - Das Standardwerk für den Gatterkamm-Webrahmen
- Konrad Hahm, Ostpreußische Bauernteppiche
wobei hier hauptsächlich aufwändiger Noppenbildungen beschrieben werden,
er stellt jedoch auch die "Noppenform aus Italien" in einer kleinen Zeichnung dar
Einen Webvorschlag aus dem Buch von Syne Mitchell hat Gerda dann für uns auf einem Webrahmen eingerichtet. Zwei fertige Muster hatte sie auch schon dabei:
Gerdas Anmerkungen zum grünen Gewebe (für einen Waschlappen):
Nach dem Einrichten wird zunächst ein ca. 5 cm hoher Saum gewebt. Danach wird ein Schuss eingelegt und das Fach offen gehalten. Mit einer Stricknadel werden nun Noppen oder Schlingen aufgenommen. dies kann mit den Fingern geschehen oder mit Hilfe einer Häkelnadel. Nach jedem Musterschuss (Noppenreihe) wurden zwei Grundschüsse gewebt, dadurch sind die Noppen etwas versetzt im Gewebe. An jeder Webkante habe ich einen Rand in Leinwandbindung stehen gelassen. Nachdem ein Quadrat in Noppentechnik gewebt ist, wird wieder ein Saum von ca. 5 am gewebt.
Für das rote Mustergewebe wurden 2 Schützen benötigt:
Die zweite Arbeit ist ein Mustertuch auf der gleichen Kette, aber in einer anderen Zusammensetzung für den Schuß: zum einen für den Grundschuss das gleiche Garn wie in der Kette und für den Musterschuss ein Garn aus 70% Wolle und 30% Nesselfaser. Für diese Arbeit brauchte ich etwas stärkere Stricknadeln, die Noppen wurden dadurch auch fülliger. Hier wurden nach jedem Musterschuss 3 Grundschüsse gewebt, so dass die Noppen nun übereinander stehen und nicht mehr versetzt.
Und hier geht es zu einem Bericht von Syne Mitchell selber: Syne Mitchell auf www.weavezine.com
Pibione ist übrigens ein sardinisches Wort für kleine Weintraube. Weben auf Sardinien umfasst natürlich viel mehr als die Technik Pibiones. Kelly Manula Koza ist eine Amerikanerin, die sehr verbunden ist mit dem traditionellen Handweben auf Sardinien. Auf ihrer Seite findet ihr reichlich Informationen (natürlich auf Englisch): https://sardinianarts.com/
Bei den Vorbereitungen zum Thema bin ich auf ihre Seite gestoßen und auf die Ankündigung zu einer Online-Präsentation: Sardinian Handwoven Textiles - Exploring a nearly lost art. Natürlich habe ich mich angemeldet. Beginn des Zoom-Meetings sollte sein um 06:00 pm. Wie war das noch mal mit am und pm? 06:00 pm entspricht 18:00 Uhr. Pünktlich saß ich an unserem Laptop - und nicht passierte. Was soll ich sagen, Zeitverschiebung! 06:00 pm in der Nähe von San Franciso heißt 03:00 Uhr nachts mitteleuropäische Zeit. Zu meinem Glück fand das Meeting in der kommenden Nacht statt, aber 03:00 Uhr war schon eine Herausforderung. Auf ihrer Webseite kann man sich auch einen Film ansehen, den sie selber erstell hat. Im Mittelpunkt steht die kleine Familienweberei von Isabella Frongia: I Want to Weave the Weft of Time - auf vimeo
Nachfolgend die Bilder von meinen ersten Arbeiten mit Pibiones, es muss so um die Osterzeit herum gewesen sein 😉:
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, müsste es bei "erst raus, dann rein" nicht einklemmen. Probiert es einfach aus!
Und hier noch ein weiteres Beispiel, komplexer geht immer:
Um den Rahmen arbeiten zu können, musste ich rechts einen zusätzlichen schwarzen Faden einfügen (im Schema der türkise Faden). Und hier war die Abfolge tatsächlich "erst raus, im mittleren Bereich rüber, dann rein". Diese Probe wurde mit jeweils einem Leinwandzwischenschuss gearbeitet. Die Umsetzung ist für mich nicht stimmig, da die Blüten in der Vorlage nicht so flach waren. Für die roten Blütenmitten wurde jeweils ein extra Faden eingefügt.
Interessantes und viele Gewebebeispiele habe ich auf diesen Seiten gefunden:
Hier tatsächlich ein Bericht von einem Besuch der Textilwerkstätten in Samugheo auf Deutsch: www.stilesardo.com
Nicht alles was aussieht wie Pibiones sind auch Pibiones. Dafür geht es nach Südfrankreich:
www.manufacturecogolin.com und hier ein Video: auf www.archiexpo.it
Dort wird mit alten Jaquardwebstühlen gearbeitet. Die "Wolle" wird als zweites System mit in die Kette genommen. Das wäre doch etwas für unsere Waschlappen! Dafür müssten doch wenige Schäfte ausreichen. Ja, aber... Es bräuchte einen zweiten Kettbaum oder eine andere Einrichtung, die es ermöglicht, dass die Fäden der beiden Kettsysteme unterschiedlich ablaufen können, so wie z.B. beim Seersucker auch.
Matthias hatte aus seiner Zeit bei Frau Meckenstock sogenannte Schmierkissen dabei, welche auf der "dicken Berta" gewebt worden sind. Unten rechts stehen die beiden an den Kettspulen der Baumwollfäden für das Grundgewebe. Oben links geht es wohl um das Abbremsen der Kettspulen mit den Wollfäden für den Flor und die langen Saugfäden, welche zusätzlich noch nach unten aus dem Gewebe gearbeitet werden mussten. Leider ist dies Vergangenheit, denn seit Frau Meckenstock vor einigen Jahren verstorben ist, schlummert die Weberei unter Denkmalschutz den Dornröschenschlaf. Falls in hundert Jahren ein Prinz vorbeikommen sollte, wird wohl nicht mehr viel übrig sein von der Weberei.
Hier geht es zu dem Bericht über einen Besuch der Weberei Meckenstock in 2014: Zeitreise
Nun geht es noch von Sardinien über Südfrankreich und über den Atlantik nach Nordamerika! Gerda hatte ja bei ihren Recherchen in der Handwoven 09/10 2015 einen Artikel von Sara Bixler gefunden: Boutonné - ein akadisches Erbe. Akadien ist ein historisches Gebiet und umfasste Teile von Kanada und Nordamerika: Akadien auf wikipedia
Und ihr ahnt es bestimmt schon, ich habe Kontakt zu ihr aufgenommen und sie hat mir freundlicherweise einige Fotos zur Verfügung gestellt:






















































