Mittwoch, 24. November 2021

Stubenitsky Code 1:2 - 21. November 2021

Es gibt dieses Mal zwar keine Bilder vom Treffen, dafür aber einen Einblick in den Stubenitsky Code!
Marian Stubenitsky ist eine Weberin in den Niederlanden. Hier der Link zu ihrer Website: weefschool - Marian Stubenitsky

Wir haben uns mit dem Code 1:2 beschäftigt, bei dem die beiden Bindungen Köper 1/2 und Panama 2/1 miteinander „spielen“. Beide Bindungen, sowohl der  Köper als auch der  Panama, sind mit dem gleichen Einzug und der gleichen Trittfolge zu weben. Für den Panama müssen zwei weitere Hebungen angebunden werden.


Die "Spielwiese" wird von drei auf vier Schäfte erweitert:

 

Schaft 1 bekommt beim Stubenitsky-Code eine Sonderrolle, er arbeitet als Bindungsschaft, „tie shaft“. Es handelt sich also um Gewebe mit zwei Kettsystemen, einem Bindungsschaft und weiteren Musterschäften. Vor allen Dingen bei mehr als vier Schäften wird diese Betrachtungsweise offensichtlicher. Schaft 1 wird durchgehend mit jedem dritten Kettfaden belegt, abwechselnd mit zwei Kettfäden, die entweder auf 2 und 3, oder auf 3 und 4 eingezogen werden. Der Stubenitsky-Code bezeichnet das Verhältnis vom Bindungskettfaden (immer nur einer) zu den Muster-Kettfäden, in diesem Fall lautet der Code also 1:2. 
 
Und so sieht das Spiel aus. Zwei zusätzliche Hebungen mischen das Ganze auf. In jeweils zwei Partien sind die „reinen“ Bindungen (Köper und Panama) zu sehen, in den beiden anderen Partien jeweils eine Bindung, die sozusagen zwischen den beiden Bindungen liegt. Die beiden rot markierten zusätzlichen Hebungen zeigen, welche Partie sie jeweils vom Köper in einen Panama umwandeln:

 
Beispielhaft oben links: Die beiden zusätzlichen Hebungen betreffen die Tritte 2 und 3. Diese werden in der unteren Trittpartie genutzt. Gleichzeitig betreffen sie die Schäfte 2 und 3. In der unteren Trittpartie betrifft dies die linke Partie. Dort ist also der Panama zu sehen. Es spielen also jeweils 4 unterschiedliche Bindungen mit. 

Werden drei zusätzliche Hebungen angebunden, so ergibt sich jeweils eine reine Tritt- oder Einzugspartie im Panama und eine „Mischpartie“:

 
Interessant ist ein Gewebe, in dem sozusagen Fenster erscheinen. Links ein klassisches Partiengewebe, welches für jede Einzugspartie 3 separate Schäfte benötigt und für jede Trittpartie 3 separate Tritte: also insgesamt 6 Schäfte und 6 Tritte. Im „Fenster“ erscheint ein figurierter K 1/2, welcher ganz „normal“ über den Einzug gestaltet werden kann. Rechts das Ganze nach Stubenitsky. Jeder dritte Kettfaden ist auf Schaft 1 eingezogen. Abweichend wird in den das „Fenster“ umgebenden Partien nicht auf 3 und 4 eingezogen, sondern nur auf Schaft 4, der ja in der mittleren Partie nicht angesteuert wird. Das gleiche gilt für die Trittpartie.  


Was in den Fenstern so ausschaut wie ein normaler figurierter Köper kann auch vorbereitend auf 8 Schäfte anders betrachtet werden:

Links erfolgt der Einzug auf den Musterschäften immer gerader Schaft (g), ungerader Schaft (u):
2-3, 2-3, 2-3, 2-3, 4-3, 4-3, 4-3, 4-3

In der Mitte: ein Wechsel von „g-u“ auf „u-g“ bewirkt einen Gratwechsel:
2-3, 2-3, 2-3, 2-3, 3-4, 3-4, 3-4, 3-4

Gleiches gilt für die Trittfolge, siehe rechtes Beispiel. Für den Einzug oben rechts im „Fensterbereich“ ergibt sich nach 3x „g-u“ ein Wechsel auf 3x „u-g“: 2-3, 2-3, 2-3, 3-2, 3-2, 3-2




Mit 8 Schäften kann das eigentliche Spiel beginnen.

Bei 8 Schäften sind 6 verschiedene Partien möglich; das gilt für den Einzug und die Trittfolge.

Die Reihenfolge „g-u“ wird im Beispiel streng eingehalten, es gibt somit keinen Gratwechsel:
2-3, 4-3, 4-5, 6-5, 6-7, 8-7

 

 

 

Das Spiel der beiden Bindungen auf 8 Schäften und mehr entwickelt sich eher großflächig. Mit Hilfe einer Bildpatrone und natürlich mittels eines Computerprogramms können wir solche Gewebe gut planen. Alles beginnt mit einer Linie! 

 
Die sechs Schäfte der Bildpatrone (BP) stehen für die sechs möglichen Einzugspartien in der tatsächlichen Gewebepatrone :

BP 1: Schäfte 2 und 3
BP 2: Schäfte 4 und 3
BP 3: Schäfte 4 und 5
BP 4: Schäfte 6 und 5
BP 5: Schäfte 6 und 7
BP 6: Schäfte 8 und 7

Gleiches gilt für die Trittfolge.

Die Anbindung zeigt, welche Partien zusätzliche Hebungen erhalten.

Weiße Flächen zeigen Köperbereiche an, rote Flächen Panamabereiche. 


 
Wie wird das Ganze nun umgesetzt??! 


Jedes Kästchen in dem „Einzug“ der Bildpatrone (oben links) entspricht 3 Kettfäden in dem tatsächlichen Einzug der Bindungspatrone. D.h. wir setzen jeden dritten Kettfaden auf Schaft 1 und füllen die Lücken entsprechend mit zwei weiteren Kettfäden aus. Oben rechts neben dem „Einzug“ der Bildpatrone sind die Schäfte angegeben für einen durchgehenden Köpergrat, was man im Gewebebild darunter sehr gut sehen kann.

Hier noch die Erläuterung der Umsetzung von der „Anbindung“ der Bildpatrone (oben rechts) zur Anbindung der Bindungspatrone (unten rechts in der Vergrößerung):

Das kleine rote Quadrat in der „Anbindung“ der Bildpatrone entspricht dem roten Quadrat in der Anbindung der Bindungspatrone. Jedes Quadrat (Anbindepunkt) in der Bildpatrone steuert/betrifft zwei Schäfte und dementsprechend auch zwei Tritte. In der Bindungspatrone überschneiden sich jeweils zwei, bzw. drei „Quadrate“ in den Trittpartien. Die Einzugspartien, die nur auf Hebung angebunden sind, binden als Panama ab.
 

Wie kann nun noch der Köper, sozusagen im Hintergrund, figuriert gestaltet werden:



Von der Mitte der Kreise ausgehend, wurde hier nach jeweils zwei 3er-Kettfaden-Päckchen einfach die Einzugsrichtung gewechselt, Gleiches gilt natürlich auch für die Trittfolge:

 
 
In Ihrem Buch nutzt Marian Stubenitsky bis zu 32 Schäfte. Je mehr Schäfte zur Verfügung stehen, desto größer wird die Spielwiese; je größer die Spielwiese, desto hilfreicher ein computergesteuerter Webstuhl. Und der Code 1:2 ist nicht der einzige, es gibt noch den Code 1:1, 1:3 und 1:5, und natürlich kommen dann auch noch andere Bindungen mit ins Spiel. Weben ist einfach eine Welt mit immer wieder unendlichen Möglichkeiten, welche sich auftun.
 
Aber auch mit 8 Schäften und einem Trittwebstuhl ist schon vieles möglich, wie ich finde. 
So, nun bleibt mir nur noch euch viel Spaß beim Ausprobieren zu wünschen und mich bei Marian zu bedanken, dass Sie mir erlaubt hat meine Ausarbeitung zu diesem  Teil ihres Buches zugänglich zu machen!

Montag, 2. August 2021

Was war los auf unseren Webstühlen und Fingerloop - 01. August 2021

Kaum zu glauben, dass der letzte Treff ein Jahr her gewesen ist. So gab es auch viel zu erzählen und einiges zu zeigen. Aber erst einmal durften wir uns mit neuen Räumlichkeiten vertraut machen. Nachdem der Gemeinschaftsraum im Mettmanner Hofhaus nicht mehr zur Verfügung steht, haben wir im Caritas Netzwerktreff (ebenfalls in Mettmann) ein neues Zuhause gefunden und uns dort sehr wohl gefühlt.

Im großen Tischkreis haben wir unsere Gewebe ausgebreitet und im gemeinsamen Rundgang angeschaut, was mitgebracht worden ist. Und so unterschiedlich wie wir alle sind, sind auch die Projekte:


 
Zwei kleine Bildgewebe auf einfachen Papp-Webrahmen brachten etwas sommerliches Flair mit ihren leuchtenden Farben. Die Papprahmen müssen etwas auf Spannung stehen, das erleichtert das Weben und "Anschlagen".
 
Mit der Strickmühle aus Garn- und Trummresten hergestellte Kordeln wurden zu Topflappen/Topuntersetzern verarbeitet. Mit einem entsprechendenn Futter versehen wurden diese sogar weiter zu Teekannen-Wärmern verarbeitet.
 
 

 
Dann gab es natürlich auch das ein oder andere Handtuch und auch ein Schal hat sich in dieses Bild eingeschlichen. Die Bindung des Schals könnte man als "turned Saldräll" bezeichnen. Turned bedeutet, dass die Patrone nach links gedreht und nach rechts gespiegelt wird. Siehe auch unser Beitrag über Dräll: klick! Wer sich für die "Kreise" interessiert, wird z.B. hier fündig: on circles!



Als nächstes eine eingelesene Fleißarbeit, ein feiner Seidenstoff mit bunten Farbtupfern, ein Shadow-Weave, Badehandtücher mit Chenille im Schuss und wieder eine Resteverwertung in Form von Spültüchern.

Rechts die Patrone zum Seidenstoff mit Farbtupfern.







Und hier noch einige Wollgewebe von rechts nach links: ein Schal in einer Flechtköpervariation in feinem Merinogarn, ein Schultertuch in einer Alpaka-Wollsmischung mit Gerstenkorn-Fenstern, ein Kissenstoff in K1/3 und K3/1 aus selbstgesponnenem Coburger Fuchsschaf (diese werden noch in Einzelstücken pflanzengefärbt) und Schultertücher aus feiner Merinowolle (bereits mit Pflanzenfarben stückgefärbt - Krapp, Kiefernbraunporling und Reseda).

Rechts die Patrone für die Flechtköper-Variation.




 
Zum Schluss gab es noch die Möglichkeit "fingerloop braiding" - Fingerschlaufen-Flechten kennenzulernen. Wir haben eine Variante mit 5 Schlaufen ausprobiert. Hier einige Links zum Thema, leider wie so oft nahezu alles auf Englisch. Bei der Recherche im Netz hat sich mal wieder eine neue Welt aufgetan, so vielfältig sind hier die Möglichkeiten und Herangehensweisen. Mal sind die "Arbeitsfinger" die Zeigefinger, mal die Ringfinger.  Bei uns waren es die Zeigefinger.

loopbraider.com
sehr umfangreich

Video von Morgan Donner
so haben wir es gemacht

fingerloop.org/
ebenfalls sehr umfangreich

www.museumaargau.ch
Mit 6 Schlaufen, auf Deutsch

Fingerhäkeln
kein Fingerloop aber auch kleine Bändchen, einfach und auf Deutsch

So, das war's erst einmal. Mal schauen, ob es im September weiter gehen kann mit dem Treff!

Sonntag, 11. Oktober 2020

Nachbehandlung von Handgewebtem - 27. September 2020

Keine Bilder vom Treffen, wie konnte das passieren?! Tja, wenn niemand daran denkt Fotos zu machen...😉

Als HandwebeInnen treffen wir mit der Auswahl der verwendeten Garne schon eine grundsätzliche Entscheidung über die Qualität und die Eigenschaften unserer gewünschten fertigen Webware. Wollen wir Trockentücher weben werden wir keine mercerisierte Baumwolle verwenden, da diese Feuchtigkeit schlechter aufnimmt als nicht mercerisierte Baumwolle.

Egon Häbich  / pixelio.de
Viele Möglichkeiten der Textilveredlung/Nachbehandlung/Ausrüstung finden eher in der industriellen Herstellung ihre Anwendung. Hier gibt es eine kleine Zusammenstellung, basierend auf den Büchern: Von der Faser zum Stoff und Technologie für Bekleidungsberufe: Textilveredlung

Wir haben uns ausgetauscht über das Waschen, Bügeln, Färben und  Oberflächenbehandlungen wie Rauen, Kalandern und "Plissieren".

Walkende Frauen um 1770 in Schottland.
Das Thema vorbereitet hatte unser einziger Weber und dabei den ein oder anderen Spaß eingetreut.

Mit etwas mehr Abstand saßen wir nämlich beinahe genau so wie die Frauen auf dem Bild links zusammen am langen Tisch!

Wie immer wurde auch bei diesem Thema teilweise kontrovers diskutiert, aber genau dazu ist ja so ein Austausch da, verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen, damit jede/r anschließend den eigenen Weg finden kann.

Hier noch ein paar Links:

Bügeln mit historischen Geräten

Hammerwalke in der Schweiz 

Kastenmangel 

Zu guter Letzt noch ein Bild von einer Nachbehandlung der besonderen Art. Was kann man machen, wenn man Bedenken hat ob Wolle  eventuell mit Motten befallen ist? Hier konnte uns Jutta aus eigener leidvoller Erfahrung den Tipp eines professionellen Schädlingsbekämpfers weitergeben:

Einfrieren hilft leider nicht immer. Das Garn muss über eine Stunde einer Kerntemperatur von mindestens 60°C ausgesetzt werden; d.h. Sauna, Waschkessel oder Backofen!

Wie gut, dass es fürs Fleischgaren besondere Thermometer gibt, die auch in diesem Fall weiterhelfen. Wie sollte man sonst die Kerntemperatur einer Kone Merinowolle messen🐑?!

Montag, 24. August 2020

Der kleine Schwedenstern -

Beim letzten Treff hatte Jutta ihre Gewebe mit dem "kleinen Schwedenstern" dabei, eine alte Webpatrone noch aus ihrer Zeit an der Berufsfachschule für Handweber/innen in Siegen:

Ein Gewebe mit zwei sehr unterschiedlichen Gewebeseiten, die eine kett- die andere schussdomiert:

Will man die teilweise sehr langen Flottierungen (über 7 Fäden, sowohl in Kett- als auch in Schussrichtung) vermeiden, kann man die Anbindung verändern (rechts die Gewebeunterseiten):

Oder auch so. Die längsten Flottierungen in Kett- und Schussrichtung gehen nun nur noch über jeweils 4 Fäden, Gewebeober- und -unterseite gleichen sich an:

Schaut man sich den Einzug näher an, so kann man drei verschiedene Anteile erkennen:
geraden Einzug, spitzen Einzug, fortschreitenden Einzug (im Englischen advancing twill) hier über jeweils 3 Fäden.

Im Spiel mit diesen Anteilen eröffnet sich ein weites Feld an Bindungsmöglichkeiten. Angebunden werden Mehrgratköper. Hier ein Beispiel für einen Rapport mit Einzug von links nach rechts: 

  • 5x fortschreitend über jeweils 4 Kettfäden "rauf"
  • Gratwechsel 7 Kettfäden gerade "runter"
  • Gratwechsel 6 Kettfäden gerade "rauf"
  • Gratwechsel ein Kettfaden rauf beginnend, 5x fortschreitend über jeweils 4 Kettfäden "runter"
  • der letzte Kettfaden ist identisch mit dem ersten des Rapportes

Der Ablauf wird auf die Trittfolge übertragen, beginnt aber jeweils auf einem anderen Tritt:

Unten links die obere linke Variante und rechts davon die Anbindung gespiegelt und damit der Grat gewechselt. Ein Hoch auf die Web-Software, mit der das Spielen relativ einfach ist:

So, und damit höre ich hier auf und überlasse euch das Feld!

Montag, 10. August 2020

Aus der Färbeküche - 26. Juli 2020

Endlich war es wieder soweit: raus aus dem Homeoffice, hinein in die Farbtöpfe! Und nirgendwo kann man besser färben als bei Marion, gibt es dort doch jede Menge Platz. Das letzte Färben war ja nun auch schon wieder vier Jahre her, kaum zu glauben.

Nachdem wir uns das letzte mal im März gesehen hatten, gab es natürlich auch so viel zu erzählen; bis es dann in die Vollen ging: Auf dem Programm standen sowohl das Färben mit synthetischen Säurefarben als auch mit Pflanzenfarben.

 

Hier nun einiges zum Färben von tierischen Fasern (Wolle und Seide) mit Pflanzenfarben,
am Beispiel der Färbedroge Schilfblüten:

1. Das Beizen der Fasern

Beim Färben mit pflanzlichen Färbematerialien muss die Wolle zunächst gebeizt werden:
Die Metallmoleküle der Beize setzen sich an die Fasern. An diese können nun die Farbmoleküle andocken. Sie gehen eine unlösliche Verbindung ein, man spricht auch von Verlacken. Wie bei Karin Tegeler (klick!) gelernt, verwende ich dafür die moderne Aluminium Kaltbeize nach Johannes Harboth. Sie ist einerseits faserschonend, andererseits umweltfreundlich.

Die gereinigten Wollfasern oder –garne werden 8-12 Stunden in die Beize gelegt und anschließend mit klarem Wasser ausgespült. Das ist notwendig, da sich ansonsten im folgenden Färbebad die Farbmoleküle auch an die nicht mit der Faser verbundenen, schwimmenden Beizmoleküle hängen und zu Boden fallen würden. Für den eigentlichen Färbevorgang stünden somit weniger Farbmoleküle zur Verfügung.

Die gebeizte Wolle kann:

  • sofort zum Färben verwendet werden
  • oder zunächst getrocknet gelagert werden, um schnell Färbewolle griffbereit zu haben.

Bezugsquelle für die Kaltbeize: z.B. das-wollschaf.de (Anleitung liegt bei und ist wirklich einfach)

2. Das Sammeln der Schilfblüten

Der Zeitpunkt der Ernte bestimmt die Farbe, die man erzielen kann. Bei einer frühen Ernte, bevor die Rispen sich rot färben, kann ein sehr intensiver Gelbton gefärbt werden. Will man jedoch Grüntöne erreichen, müssen sich die Rispen erst rot färben.

 

3. Die Färbeflotte ansetzen

Die Schilfblüten werden 1-2 Stunden ausgekocht. Die so entstandene Färbeflotte wird durch ein engmaschiges Netz gegeben, um das Färbematerial heraus zu filtern. Das Material wird in dem Netz eingebunden und kann später beim Färben weiter mit verwendet werden um die Farbausbeute zu erhöhen. Der Einfachheit halber haben wir ohne Netz gearbeitet, und haben die ausgekochten Schilfblüten anschließend heraus gefischt.

Erstaunlicher Weise wird die Färbeflotte rot und die die eingelegten Fasern werden anschließend grün!

4. Das eigentliche Färben

Bevor die Fasern in die Färbeflotte kommen sollten zwei Dinge beachtet werden:

  • die Wolle sollte gut nass sein, es sollte sich keine Luft mehr zwischen den Fasern befinden, welche die Aufnahme der Farbe verhindern könnte
  • die Wolle sollte möglichst die gleiche Temperatur wie die Färbeflotte haben, Wolle verträgt keine starken Temperaturunterschiede, sie neigt dann zum Verfilzen

Die gebeizte und gespülte Wolle also in die möglichst gleichtemperierte Flotte legen und langsam auf max. 90° C hochheizen, solange in der Flotte belassen bis die gewünschte Farbtiefe erreicht ist. Bei manchen Färbedrogen hat die Temperatur der Färbeflotte Auswirkungen auf die Farbe, welche erzielt wird!

Wir haben insgesamt drei Züge gefärbt, 1. Zug 2 Stränge, 2. Zug 2 Stränge und im 3. Zug 1 Strang. Die erzielten Farbtiefen waren recht nah beieinander, so viel Farbstoff war in der Flotte. Zuhause habe ich drei der Stränge weiter gefärbt. Zunächst eine Überfärbung mit Rainfarn und anschließend ein Abdunkeln mit Eisenessig (siehe weiter unten):

 

Im mittleren Bildteil zu sehen sind von links nach rechts:

  • Schilf pur 1. Zug
  • Schilf pur 3. Zug mit Eisenessig abgedunkelt
  • Schilf 2. Zug mit Rainfarn überfärbt und mit Eisenessig abgedunkelt
  • Schilf 1. Zug mit Rainfarn überfärbt
  • Schilf 2. Zug mit Rainfarn überfärbt
  • ein frischer weißer Wollstrank mit dem Rest aus der Rainfarnflotte gefärbt

5. Nachbehandlung

Anschließend sollte die Wolle am besten langsam von alleine abkühlen und dann erst ausgewaschen werden. Oder in einen anderen Behälter mit temperiertem Wasser geben, wenn man noch weiter in der Flotte färben will. Denn nach dem sogenannten „ersten Zug“können noch beliebige weitere folgen, solange noch Färbepartikel in der Flottte sind.

Wir haben insgesamt drei Züge gemacht und es war immer noch „Farbe übrig“. Die Wolle kann anschließend noch in ein saures Essigbad gegeben werden, da Wolle säureliebend ist.

6. Eisenessig oder Eisen-III-Kaltbeize

Über die Verwendung von Eisenessig oder Eisen-III-Kaltbeize hat man eine weitere Möglichkeit auf die Färbung Einfluss zu nehmen. Beide Varianten dunkeln die Farben ab. Die erste Möglichkeit besteht darin, direkt eine andere Beize zu verwenden, nämlich die Eisen-III-Kaltbeize. Die zweite Möglichkeit ist, zunächst auf Kaltbeize AL (Aluminium Kaltbeize) zu färben.

Die Wolle wird aus der Färbeflotte genommen, der Flotte wird nach Wunsch Eisenessig zugegeben, und die Wolle nochmals für solange eingelegt, bis die gewünschte Farbe erreicht ist. Allerdings verliert die Wolle etwas an Weichheit😩.

Der Eisenessig kann wie folgt hergestellt werden: Eine Handvoll Eisennägel (unbeschichtet) oder besser Stahlwolle in ein Schraubglas geben, 10 ml Essigessenz zugeben, mit klarem Wasser auffüllen und stehen lassen. Ist ein rostiger Niederschlag zu sehen, hat sich Eisen im Essigbad gelöst und der Eisenessig ist verwendbar.

 

Und hier die andere "Baustelle", das Färben mit Säurefarben:

 
links Agnes Flammenfärbung für ihr nächstes Bildgewebe

Säurefarben liegen zunächst in pulverisierter Form vor. Aus den drei Grundfarben (gelb, rot, blau) und einem Blau-Türkis hatte Marion schon die sogenannten Stammlösungen vorbereitet. 

Mit Pinseln und Spritzen bewaffnet, wurden die Farben auf die Fasern aufgebracht, in Folie eingewickelt, und anschließend im Dampfgarer fixiert. So ist eine gezielte Farbverteilung zu erreichen. 

Will man etwas mehr den Zufall mit ins Spiel bringen kann man auch direkt in einer sogenannten Topffärbung die Farbe aufbringen.


 
 
So wurde es nach und nach immer bunter. Garnstränge, Webketten und Kammzüge wanderten nacheinder in den Topf, bzw. Dampfgarer. Dann ging es in die Wäscheschleuder und ab auf die Leine! Säurefarben werden durch Hitze fixiert. Manche färben auch in der Mikrowelle; die darf dann allerdings nicht mehr für Lebensmittel eingesetzt werden.

Das Fixieren in der Mikrowelle geht zwar vermeintlich schneller, es passt jedoch auch nicht soviel Färbegut auf einmal hinein wie z.B. im Dampfgarer. Professionelle(re) Färber/innen benutzen wohl auch Färbewannen. Da geht natürlich noch viel mehr auf einmal hinein.

 

Wie heißt es doch so schön, viele Wege führen nach Rom! So gibt es auch viele Wege beim Färben mit Säurefarben. Ach ja, Säurefarben heißen sie, weil das Ganze nur im sauren Milieu funktioniert, also z.B. unter Zugabe von Essigessenz. Und Säurefarbe ist dann wohl auch nicht gleich  Säurefarbe. Je nach Anbieter werden die Farben unterschiedlich. Vor allem Rot ist nicht gleich Rot!

Wer mehr darüber wissen möchte: youtube zeigt einem auch hier die Welt:
Färben mit Säurefarben auf youtube

Oder in Buchform das bekannteste Standardwerk:
1000 Farben auf Wolle und Seide

Eines ist auf jeden Fall klar: Vorsicht ist geboten, Färben kann süchtig machen!

Sonntag, 5. April 2020

WeberTreff im Homeoffice - 29. März 2020

Wenn ich mich richtig erinnere, war dies der erste Treff, der nicht stattgefunden hat. Im Zuge der allgemeinen Corona-Einschränkungen konnte auch unser Besuch in der Tuchfabrik in Euskirchen nicht stattfinden. Wir hoffen einfach mal, dass aufgeschoben nicht aufgehoben sein wird.

Statt dessen gibt es auch hier ein paar Bilder aus den Home-Offices! Manchmal gibt es mehrere Bilder zu einem Projekt, manchmal mehrere Projekte,  manchmal sind die Bild gestochen scharf und manchmal geben sie nur einen Eindruck wieder. Egal, das WeberInnen-Auge wird es schon erkennen!


In alphabetischer Reihenfolge:

Annemarie, Handtücher nach Winnie Poulsen (Väv 01.2019) und ein Schwedenstern, oder auch Snowflake/frost crystal
Barbara, Mehrgratköper im spitzen Einzug
Gabriele, links: Gerstenkorn (hier monochrom eingeschossen, Farbverflechtung ist noch in Arbeit)
rechts: cramming and denting Kette nach der entsprechenden Episode aus der Online Guild von Jane Stafford




Jutta, Gerstenkorngewebe mit Fransenrand und Farbverflechtung in Leinwand: 3 dunkel - 3 hell
Karo, "Mutmachschal" in breitem Fischgrat
Kirsten, advances twill = figurierter Köper, als klassisches Halbleinen
Marion, Deflected Double Weave mit selbst gefärbten Garnen, rechts oben Köpervariation
Matthias, Farbverflechtung in einer Kautschukbindung
Mechthild, Handtücher in Cottolin, Leinwand und Köpervariationen
Sabine, was in Blau geht, geht auch in Rot!
Silvia, Köperschal (selbstgesponnene Garne) und Farbverflechtung in Köperbindung
Susanne, Deflected Double Weave
Gerda, Crackle Weave (Handwoven Dezember 2015)

Zu guter letzt dann noch ein kleiner Bericht über eine Folge aus dem Buch: "Es gibt keinen Unsinn, den man  nicht machen kann!": Der eigene Mann schärt eine 23-Meter-Kette für seinen Hollandia-Webstuhl von Louet, doppelt so lang wie sonst üblich. Aber schließlich heiratet das Patenkind im Sommer und da müssen es dann mal ein paar Sternentücher mehr werden.

Was Mann kann, kann Frau auch! Beim Schären der Kette schießt es einem dann plötzlich in den Sinn: der Kettbaum auf dem eigenen Spring-Webstuhl ist viel kleiner; mit den einzulegenden Pappen wird der Kette wahrscheinlich gar nicht auf den Kettbaum passen😕. Die Kette vom Schärbaum zurückwickeln ist keine Option, also wird tapfer weiter geschärt. Irgendeine Lösung wird sich schon finden.

Zur Not müsste man die Kette doch auch nur zur Hälfte aufbäumen und dann abschneiden können, das  Gangkreuz mit vorziehen und den ersten "Kettteil" von dort aus in die Litzen einlesen. Die andere Hälfte müsste von der "Schnittstelle" aus zum oberen Fadenkreuz gehäkelt werden, welches dann beim Aufziehen des zweiten Kettteils sozusagen als Gangkreuz genutzt würde und ebenfalls mit vorgezogen werden müsste. Das müsste doch gehen?!

Oder man hat das Glück, dass der Weber auch noch Tischler ist, und außerdem die richtigen Ideen hat: Bäumscheiben müssen her, dann baut die Kette nicht mehr so hoch und passt in einem Stück auf den Webstuhl:


Zum hoffentlich besseren Verständnis hier die Abfolge der vier notwendigen Bäumlatten:


Die Kettbaum-Schnüre werden nicht mehr an einen Stab gebunden. Jeweils eine Extra-Texolv-Schnur wird an den Kettbaumschnüren befestigt, durch die erste Bäumlatte geführt und mit einem Texolv-Stecker fixiert. Die Kette wird auf die zweite Bäumlatte verteilt, durch welche die Texolv-Schnüre weitergeführt werden. Und auch die zweite Bäumlatte wird wieder mit Texolv-Steckern fixiert.
Damit die Bäumscheiben auf den Bäumlatten frei verschiebbar sind und auch die Kette glatt auf den Bäumlatten zu liegen kommt, können die verbindenden Texolv-Schnüre nicht als Schlingen über die Latten gelegt werden. Die Texolv-Schnüre müssen durch mittige Bohrungen durch die Latten 1 und 2 geführt werden und die Latten entsprechend hoch genug sein, damit die Texolv-Stecker sind anschließend dazwischen legen können. 

Die Latten 3 und 4 werden während der ersten Bäumrunde lose eingelegt. Die Bäumscheibenhälften werden aufgelegt, mittels langer Schrauben (am besten Schlossschrauben) zusammengeführt und fixieren die Latten dann an der richtigen Position.

Beim ersten Mal hat das Ganze schon ein wenig gedauert, aber das spielt sich bestimmt noch ein. Das Aufbäumen selber ging dann rubbeldikatz! Falls jemand nachbauen möchte und noch Fragen dazu hat, bitte einfach per Mail melden.

Und da der Tischler gerade in Aktion war, gab es auch noch einen Spulenhalter für den Webstuhl:


So, das war's erst einmal aus der WeberTreff-Pause. Noch hoffen wir, dass der Wollmarkt in Kuchenheim stattfinden wird. Bis Juni sind ja noch ein paar Tage hin!